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-S5=4^> EIN MODERNES ZEITUNGSHEIM <^?~
BRUNO PAUL REDAKTIONSZIMMER
AUSGEFÜHRT VON DEN „VEREINIGTEN WERKSTÄTTEN FÜR KUNST IM HANDWERK", MÜNCHEN
lichtgrauen Möbelbezügen und der reizvollen
grünen Stofftapete von japanischem Muster,
welche die Wände bis zum Gesims hinauf
bespannt. Originelle Möbel sind der Garderobeständer
mit verschließbarem Mittelteil
und ein mit Bücherschränkchen und zahlreichen
Schubladen für Archivzwecke kombiniertes
Stehpult, an dem nur vielleicht die
Schreibfläche etwas zu spärlich und nicht
ganz praktisch geraten ist. Von hier aus gelangt
man zunächst in das große und lichte Gemach
des Kunstredakteurs, das Karl Bertsch
mit wohltuender Einfachheit ausgestattet hat.
Aus hellem, nur ganz leicht gebeiztem Ahornholz
bestehen der Schreibtisch, Stühle, Tische
und der mit einem Kleiderständer zusammengearbeitete
Bücherschrank; der feine warme
Ton des Holzwerks wird noch gehoben durch
sehr diskrete Einlagen. Bis zu zwei Dritteln
ihrer Höhe deckt die Wände eine graue Stoffbespannung
mit rötlichen Streifen, darüber ist
die Mauer schmucklos grau getüncht (Abb.
S. 316). Auch jenseits des Flures hat Karl
Bertsch ein Zimmer eingerichtet, in dem der
Redakteur fürs „Deutsche Reich" und die
„Alpine Zeitung" haust (Abb. S. 318). Hier ist
wieder dunkel gebeiztes Eichenholz, das vielleicht
ein wenig zu oft in Anwendung kam,
das Material der Möbel. Feinfarbige japanische
Matten, zwischen Leisten eingespannt,
ersetzen die Täfelung. Zwei sehr gemütliche
Räume in gleichartiger Ausstattung aus
hellrötlichem Rüsternholz schließen sich an
die Kunstredaktion, das Zimmer des Redakteurs
für bayerische Politik und der Bibliotheksaal
. Eine Ecke des ersteren ist glatt getäfelt
, alle übrigen Wände beider Zimmer
sind mit Bücherschränken bedeckt, ohne daß
die Wirkung monoton würde. Die bunten
Bücherrücken sorgen für farbige Abwechslung,
und die ruhige Gleichmäßigkeit der Linien
betont hier eben nur den praktischen Zweck:
Handlichkeit und volle Raumausnützung. Besonders
stattlich sind hier auch die Beleuchtungskörper
aus gehämmertem Messing. Die
beiden Räume wurden von Anton Pössen-
bacher nach den Angaben von Heilmann &
Littmann möbliert (Abb. S. 311). Aus dem
312
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