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^=4^> INTARSIEN, APPLIKATIONEN UND MOSAIKEN <^5^
stück die Streifungen der Tiere tun, welche
Formen noch eigens ein Widerspiel in den
gestreiften Kügelchen des oberen Randes finden
. Weitaus am wertvollsten erscheint uns
die letzte von den Applikationen. Vor einem
durch rauhes Gewebe vorgestellten Wolkengrund
erheben sich feingezeichnete, hochgehende
Bäume, deren Nadelzweige durch
Uebereinanderlagerung in der Mitte einen interessanten
Gegensatz dichterer Materie gegen
die dünneren Außenteile zeigen.
Natürlich können unsere Abbildungen einen
Hauptreiz der hierher gehörigen Kunstweisen
nicht wiedergeben: die feinen Abstufungen
der Farben, seien diese auch nur das Braun
des Holzes. Gerade auf diese engen Nuancierungen
kommt zumal bei der Intarsia viel
an. Sie ist eine besonders vornehme Kunst
dadurch, daß sie auf alle gewaltigeren Effekte
verzichten und ihre Wirkungen eben in jener
intimeren Enge suchen muß.
Das „Zeichnen mit dem Stein" ist Sache
des „Mosaizisten". Der „Stein" ist bei der
Glasmosaik, der gebräuchlichsten Spielart,
ein erhärteter Glasfluß. In der eigenen Herstellung
dieser, und zwar mit möglichst vielen
Farbennuancen, einschließlich des hier so
sehr bevorzugten Goldes, besteht ein Hauptstolz
der größten Mosaikfirmen, während
kleinere das Material von anderswoher beziehen
. In jener selbständigen Weise arbeiten
die früher SALViATische Fabrik zu Murano
bei Venedig, und unter den wenigen deutschen
Anstalten die „Deutsche Glasmosaik-
Gesellschaft" von Puhl & Wagner in
Rixdorf bei Berlin. Diese hat bis jetzt vielleicht
schon gegen 15000 Farbentöne hergestellt
, mit viel heißem Bemühen auch
nach den schwersten, den hell leuchtenden
Tönen. Die Unvollkommenheit der farblosen
Abbildungen wird diesmal noch dadurch vergrößert
, daß auch die Lichtreflexe dabei nicht
wiedergegeben werden können. Diese sind
ein spezieller Reiz der Glasmosaik; sie werden
dadurch begünstigt, daß man die Flächenstücke
nicht genau eben, sondern ein wenig
verschoben anlegt.
Aus dem reichen Produktenschatze der
Rixdorfer Mosaizisten führen wir heute ein
größeres und ein kleineres Stück vor. Von
dem Maler Fritz Adolf Becker in Schöneberg
war ebenfalls auf der „Großen Berliner"
des Jahres 1905 der Entwurf zu Glasmosaiken
für die Diele einer Villa im Karton ausgestellt.
Wir bringen hier die Nachbildung des von
Puhl & Wagner danach ausgeführten Mosaikwerkes
. Es ist dies eine Reihe von Bildern,
darstellend die sieben Wochentage. Für den
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