http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_14_1906/0338
-v-^> INTARSIEN, APPLIKATIONEN UND MOSAIKEN <^=^
Sonntag die Kirche und ein hell glänzender
Baum mit Sonnenstrahlen nach außen; für
den Montag eine Mondnacht; für den Dienstag
die Streiter des Kriegsgottes; für den Mittwoch
die Fahrt im Dienste Merkurs; für den
Donnerstag der Donnergott; für den Freitag
eine Andeutung der Liebesgöttin durch einen
blühenden Baum mit einem Fasanenpaar; für
den Sonnabend die Glocke als Künderin der
Zeit, die dem Saturn zukommt. Wellen und
Wiesen und Wolken haben hier die Kunst
des Steines zu treffsicherer einfacher Formgebung
herausgefordert; und die einheitliche
Weise, welche verschiedene Objekte miteinander
sowie mit der Umrahmung verbindet,
wirkt noch ganz besonders einnehmend.
Dazu kommt endlich eine kleine Landschaft
, die von dem Maler Adolf Eckardt
entworfen wurde und den Hintergrund eines
Instrumentes im Salon eines Lloyddampfers
bildet (Abb. S. 325). Wie weit die „musivische"
Kunst ihren Bereich spannen kann, sieht man
hier an der glücklichen Art, mit welcher die
Steinchen dem Eigentümlichen des Laubes
und des Grases gerecht werden.
Die Mosaikkunst ist wohl unter den Kunsttechniken
als die letzte von dem modernen
Aufschwünge der Künste erfaßt worden,
wenigstens in deutschen Landen. Noch steht
ihr eine lange Strecke von Fortschritten bevor
. Insbesondere scheint ihr die weite Welt
des mannigfachen Glanzes von Naturobjekten,
zunächst von pflanzlichen, einen bisher lange
nicht ausgeschöpften Reichtum darzubieten.
Dagegen dürfte das Streben nach naturgetreuer
Wiedergabe individueller Erscheinungen
und nach Erreichung von Gemälde-
Effekten sie eher in die Irre führen.
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