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DIE MÜNCHENER JAHRESAUSSTELLUNG IM GLASPALAST 1906
helenevon der leyen
Münchener Jahresausstellung 1906
madchenbildnis
auch an der „Karlsruher Glätte" zu leiden, und
eine Landschaft von Anna Uehlein sind hauptsächlich
zu nennen. An Ferdinand Keller's
grobsensationellem „Finale" kann man wenig
Freude haben und noch weniger an seinem
„Froschkönig", von dem schwer einzusehen
ist, warum er Böcklin nachgemalt werden
mußte. Auf die Gruppen der Graphiker,
Zeichner und Aquarellisten näher einzugehen,
verbietet leider die Beschränktheit des Raumes.
Es wäre gerade hier auch von mancher guten
Arbeit und neuen Erscheinung zu berichten.
Von den Aquarellisten seien nur die Namen
Rene Reinicke, Max Giese, Kleditzsch und
Koeselitz, von den Zeichnern der merkwürdige
und vielseitige Max Mayrshofer,
Schmoll von Eisenwerth, Bek-Gran,
Schaupp und Liner wenigstens genannt.
Die moderne Plastik ist, wenig übersichtlich
, über den ganzen Glaspalast verstreut.
In großer Ueberzahl befinden sich hier die
Berliner Künstler, die vielleicht keine Schlager
ersten Ranges, aber sehr viel respektables
Mittelgut an die Isar gesandt haben. Die vielen
und reichen Aufträge, die in der Reichshauptstadt
den Bildhauern winken, tun eben ersichtlich
ihre Wirkung. Zum Besten gehört
Ernst Seger's schöner Marmortorso eines
Mädchens (s. Abb. S. 20), gehören die Statuetten
, namentlich die kleine nackte Tänzerin
von A. Lewin-Funke (s. Abb. S. 14),
gehört die „Quelle" von Const. Starck, ein
keuscher, blühender Mädchenakt, nach der
Antike modelliert in der Art, die Artur Volkmann
liebt. Auch dieser letztere ist durch
ein dekoratives großes Marmorrelief „Orpheus"
(s. Abb. S. 6) vertreten. Wilh. Wandschneider
sandte aus Charlottenburg eine
„Eva", mit deren edler Modellierung man
mehr einverstanden sein kann, als mit der
fast militärisch steifen Haltung. Eine figurenreiche
Gruppe „Die Kreuzträger" ist von
Otto Lessing, die lebensgroße, etwas kalte
Idealfigur eines Schäfers von Heinrich Miss-
feldt, die Gestalt eines schlanken Mädchens
„nach dem Bade" von Oskar Garvens (s. Abb.
S. 11). Max Levi's ringenden Knaben, die
als Akte gut beobachtet sind, fehlt es wohl
an plastischer Geschlossenheit. Anmutige
Statuetten sind zu sehen von Ludwig Vorder-
Die Kunst für Alle XXII.
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