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leon mignon
der ackerbau
armung eines kräftigen braunen Tritons genießt,
sein »Sommerglück« — drei Frauen in klassischen
Gewändern, wandelnd und musizierend in einer
sonnigen Parklandschaft — und seine in Gestalt
einer nackten Schönen am Strande ruhenden > Welle«,
einen über das Inhaltliche hinausgehenden hohen
künstlerischen Wert. Sie bieten gute Malerei. Darin
ist Klinger von jeher allen Böcklin-Nachahmern überlegen
gewesen; darum hat man ihn, auch wenn er
irrte, stets ernst genommen. Mit Freude sieht man
hierauch seine entzückende »Gesandtschaft« wieder,
und wenn man auch sein Damenporträt >auf dem
Dache« und seine »Römerin« vielleicht weniger
hochzuschätzen geneigt ist, so muß man auch an
diesen Arbeiten die Absicht, der Wirklichkeit neue
Reize abzusehen, und diese Absicht ist zum größten
Teil erreicht, in vollem Umfange anerkennen. Ueber
den Radierer Klinger, dessen Oeuvre teilweise in
sehr kostbaren Abdrücken vorliegt, und über den
Zeichner ist jetzt nichts Neues zu sagen; aber man
darf dem Plastiker das Kompliment machen, daß
viele seiner nicht immer ohne Widerspruch aufgenommenen
Schöpfungen sich in Bronzeabgüssen
ungleich glücklicher präsentieren als in dem ursprünglichen
, oft schwelgerischen Material. Die
»Badende« gefiel als Bronze schon in der Berliner
Sezessions - Ausstellung; aber ganz ausgezeichnet
sind auch der Kopf der »Cassandra« und die Hermen
von Liszt und Nietzsche. Die »Salome« aber zeigt
in dem neuen Material doppelt deutlich, wie kleinlich
sie von Anbeginn aufgefaßt ist. Von großem
künstlerischen Reiz sind die hier vorgeführten Entwürfe
von Karl Walser für Dekorationen und
Figurinen zu einigen Opern. Was man früher gegen
den Maler Walser zu sagen genötigt war, fällt angesichts
dieser Leistungen, wo allein seine guten
Ideen, sein feines Gefühl für den Stil bestimmter
Zeitalter und sein eigener Geschmack zu Worte
kommen, natürlich fort. Man freut sich eines aparten
Talents, das im Theater und im Dekorativen das
ihm gemäße Betätigungsgebiet gefunden hat. Die
zierliche und sorgsame Ausführung, die Walser
diesen Entwürfen gegeben, verleiht ihnen den Charakter
kleiner Kunstwerke, als welche sie sicher
zahlreiche Liebhaber finden werden. Die gleichzeitig
gezeigte Kollektion von Bildern Courbet's vermag,
gegen frühere Darbietungen Cassirers gehalten, nicht
zu fesseln, und von den vorgeführten Arbeiten des
Frankfurter Malers Otto Scholderer bietet eigentlich
nur die Darstellung eines Jungen, der einen
Hasen trägt, die Eigenschaften, wegen derer Scholderer
zu den guten deutschen Malern gezählt wird.
Hans Rosenhagen
VON AUSSTELLUNGEN
UND SAMMLUNGEN
T EIPZIG. Anläßlich der diesjährigen Haupver-
*~l Sammlung des Deutschen und Oesterreichischen
Alpenvereins am 5., 6. und 7. September in Leipzig
hat die Firma P. H. Beyer & Sohn, Leipzig, Schulstraße
8, eine umfangreiche Ausstellung arrangiert,
die der künstlerischen Darstellung des Hochgebirges
gewidmet ist. Die Gruppe der Oelgemälde ist in
den Räumen des Kunstvereins aufgestellt, während
die Aquarelle, Pastelle, Handzeichnungen, Originalgraphiken
und Plastiken in der Kunsthalle P. H.
Beyer & Sohn untergebracht worden sind. Die Ausstellung
ist so eigenartig und reizvoll, daß sie wohl
überall dem gleichen starken Interesse begegnen
wird. Der hübsche kleine Katalog verzeichnet circa
500 Werke von etwa 120 Künstlern. Wohl fast alle
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