http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_15_1907/0138
-^^^ VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^-
u LES LAGAE
HOV ENDE TROV
wie seine Kollektion von Bildern mit meist Frankfurter
Motiven bezeugt, nicht weitergekommen. Er
bleibt bei einem impressionistischen Schema und
läßt einen bedauerlichen Mangel an Gefühl für die
Nuance erkennen. Von den Bildern des Wieners
Paul Joanowitsch und des jetzt in Rom schaffenden
Paul Bürck läßt sich nur sagen, daß die einen
sehr konventionell und geschickt, die anderen nur
akademisch im Sinne von korrekt sind.
Der Verein Berliner Künstler hat den 75. Geburtstag
von Reinhold Begas benutzt, um dem Meister
durch eine Ausstellung seiner Werke in dem großen
Saal der verlassenen Musikhochschule eine Ehrung
zu bereiten. Es ist daraus so etwas wie eine Rechtfertigung
für den in letzter Zeit so oft getadelten
Künstler geworden, und man darf sagen eine ebenso
wohlverdiente wie gelungene. Man erhält hier durchaus
den Eindruck, daß Begas einmal die Rolle des
Befreiers gespielt hat, daß er in seiner Kunst etwa
das war, was Böcklin für die deutsche Malerei gewesen
ist. Gegen die Schöpfungen der klassizistischen
Kunst müssen seine »vom Pan getröstete Psyche«,
seine »Venus, die dem von einer Biene gestochenen
Amor gut zuspricht«, der »Pan mit dem flötenspielenden
Knaben» u. a. wie Offenbarungen gewirkt
haben. Und wenn der Künstler später in seinem
»Raub der Sabinerin-, in der köstlichen Figur der
»Badenden« seiner Neigung zum Barock nachgab,
waren seine Schöpfungen doch nichts weniger als
Anlehnungen. Es ist in diesen Sachen nicht nur
poetische Empfindung, sondern auch das sicherste
Gefühl für den plastischen Ausdruck. Und was für
ein glänzender und zugleich tiefgründiger Porträtist
ist Begas gewesen! Seine Büsten Bismarcks und
Moltkes, seine Halbfigur Menzels sind den Besuchern
der Nationalgalerie bekannt; aber was für wunderbare
Frauenbildnisse hat Begas noch daneben geschaffen
! Außer diesen Arbeiten enthält die
Ausstellung verschiedene unbekanntere dekorative
Schöpfungen des Meisters, darunter als
Hauptstücke den »Elektrischen Funken« und
die Gruppe »Kain und Abel«, sowie das Grabdenkmal
für den jungen Strousberg. Einige
gemalte Porträts von des Meisters Hand bekunden
, daß er auch nach dieser Richtung
eine nicht gewöhnliche Begabung besessen,
die durch den Verkehr mit Lenbach beeinflußt
erscheint und hier und da dieses Vorbild sogar
erreicht. Es wird sich vielleicht später
einmal Gelegenheit bieten, der künstlerischen
Persönlichkeit und den Leistungen des vielumstrittenen
Berliner Bildhauers in eingehenderer
Weise gerecht zu werden.
Hans Rosenhagen
IT'ASSEL. Im Kunstverein fällt zunächst das
**- ganz und gar individuell aufgefaßte Porträt
des Dichters Wilhelm Raabe, gemalt von
Ludwig Probst (Braunschweig) auf. Das
Forschende, Beobachtende des Schriftstellers
in dem Ausdruck der Augen ist hier vortrefflich
wiedergegeben. Die durchaus impressionistisch
behandelte Freilichtmalerei, weiblicher
Akt von Peter Bayer (Karlsruhe), zeichnet
sich besonders durch den gut modellierten
Oberkörper aus. Ein reifes, abgeklärtes Talent
spricht aus den Pastell- und Tuschzeichnungen
von Auguste Bock (Hannover). Vortrefflich
sind die Typen aus dem Volksleben, während
die Rötelzeichnung, Profil eines jungen Mädchens
, vornehm künstlerisch wirkt. Th. Mat-
thei (Kassel) zeigt uns das schlicht und lebenswahr
gemalte Porträt einer älteren Dame
in schwarzseidener Bluse, ein wahres Kabinettstückchen
ist auch sein »Stilleben«. Von F.
Fennel (Kassel) sind besonders gelungen einige
Landschaften. Die wunderbar weiche Herbststimmung
hat Max Merker (Weimar) auf seinem Bild
»Haus am Berge« vorzüglich wiedergegeben. Keck
und frisch gemalt und entzückend in den Farben
sind die Blumenstücke der Damen Marie Bodtker
(Bonn) und Ilse Müller-Noak (Berlin).
IT ÖNIGSBERG. Im Kunstsalon Teichert finden
* wir zur Zeit eine Kollektivausstellung des Landschafters
R. Krauskoff. Er zeigt hier eine Reihe
ostpreußischer Landschaften, von denen die ältesten
noch etwas gewollt im Aufbau und matt in der Farbe
sind. Einige neue und neuere Bilder aber, wie das
stimmungsvolle »Dorf in Litauen«, die herbstlichen
»Eichen« und die sehr frisch wirkenden »Birken am
Bach« fallen durch die breite sichere Pinselführung
und den Wohlklang der Farben sehr angenehm auf. —
Eine Anzahl wirklich guter Pastelle vervollständigen
die Sammlung. Die »Segelschiffe im Hafen«, die feinen
»Regenwolken«, ein paar» Pappeln «und das stimmungs
voll und groß wirkende Seegestade mit dem einsamen,
der Landzunge zusteuernden Vogel und den violetten
»Abendwolken« sind diebemerkenswertesten darunter
. Fast alle Sachen zeichnen sich durch Kraft und
Frische und einen nicht gewöhnlichen Geschmack aus.
DERLIN. Dem kürzlich verstorbenen ungarischen
Maler und Karikaturenzeichner Josef Faragö
widmet die Kunsthandlung Edm. Meyer eine ziemlich
umfangreiche Ausstellung, welche in der Hauptsache
die Werke aus der Hinterlassenschaft des
Künstlers enthält.
COFIA. //. Südslavische Kunstausstellung. In vier
^ Abteilungen, der serbischen, kroatischen, bulga-
102
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_15_1907/0138