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-*=4^> VON AUSSTELLUNGEN PERSONAL-NACHRICHTEN <£g^~
Faure die starken Schwächen seiner Formen und
Gestalten durch seine dunkle Tonstimmung zu verhüllen
, ein Geschick, das freilich vollständig versagt,
wenn er wie in »Carmen« seine Gestalten in das
unerbittliche Licht des Tages stellt. In seiner künstlerischen
Richtung erinnert Faure mitunter an Stuck,
freilich ohne dieses Münchners Fundament eines
gediegenen Formenstudiums sein eigen nennen zu
können. Weit Besseres leistet Faure da, wo er sich
in kleinem Format bewegt, so in einigen Darstellungen
aus dem Leben der »Schmieren« und >Tingel-Tangel<,
das allerbeste aber in einer Reihe ganz delikat gemalter
und mit liebevoller Treue durchgebildeter
Blumenstücke. - In den Tagen vom 4. bis 8. Oktober
stand Stuttgart unter dem Zeichen Hugo Wolf's
und als eine Art Huldigung mag es betrachtet werden,
daß den Ehrenplatz im zweiten Saal ein von Karl
RiCKELT-München im Jahre 1896 gemaltes Porträt
des genialen unglücklichen Komponisten einnimmt.
Das Bildnis ist bei Gelegenheit eines gemeinsamen
Aufenthalts in jenem, dem Frh. v. Lipperheide gehörenden
Jägerhäusl entstanden, also aus täglicher
intimer Beobachtung heraus. Es scheint denn auch
sehr charakteristisch zu sein, vor allem aber fesseln
uns die Augen, in deren seltsamen, überreizten Blick
und Ausdruck sich das dunkle Geschick, das diesen
Meister treffen sollte, anzukündigen scheint. — Unter
dem übrigen mögen noch einige treffliche Arbeiten
von E. Starker, A. Eckener und O. Michaelis
hervorgehoben sein. h. T.
JV/TÜNCHEN. Eine kleine retrospektive Ausstellung
lvl (1850-1880) aus Münchner Privatbesitz hat
sich nun auch der Münchner Kunstverein geleistet
und mit ihr weihte er zugleich seinen neuen und
hellen Oberlichtsaal ein, zu dem der frühere dunkle
>Lenbachsaal« umgebaut
wurde. Lenbach's Bildnisse
und eine Serie frü-
herer,merkwürdig frischer
und kraftvoller Landschafts
- und Architekturstudien
dieses Künstlers
machten sich aber auch
hier nicht schlecht. Ein
skizzenhaftes, unendlich
charakteristisches Bildnis
des jungen Lenbach,
gemalt von A. Böcklin
und dessen köstliche
kleinere Variante des
>Panischen Schreckens«
stammten aus dem Besitz
Paul Heyse's, der auch
ein paar interessante
Zeichnungen von Menzel
hergeliehen hatte.
Unter den Feuerbach's
war namentlich ein Entwurf
zu einer »Versuchung
des heiligen Antonius
« von grandioser
Wucht, unter den Bildern
von Hans v. Ma-
rees ragte ein Doppelbildnis
(A. Hildebrand
und Mr. Grant) hervor.
Besonders gut warTRÜB-
ner vertreten, durch
Bildnisse und Studienköpfe
ersten Ranges, vortrefflich
*" Karl Haider,
Hirth du Frenes, Th. guillaume de groot
Alt, nicht besonders bedeutend W. Leibl. Von Hans
Makart war ein unglaublich harter und unangenehmer
früher Frauenakt da und das schöne Bildnis der
Frau E. Schaeuffelen, von Hugo v. Habermann
ein kostbares frühes Frauenbildnis. Vorzügliche ältere
Arbeiten sandten auch Harburger und W. Räuber,
der erste ein Tiroler Bauernstubeninterieur von großartig
schönem Ton, der letztere das prächtige Bildnis
einer älteren Dame. Von Ernst Zimmermann
war ein Bildnis des Malers P. Wurst, eine höchst
beachtenswerte, kraftvolle Arbeit zu sehen, ein
paar Stäbli's, unter denen der aus dem Besitze Toni
Stadlers an erster Stelle stand. Landschaften von
L. Lier, Fröhlicher, Rottmann, der sich ein
paarmal verblüffend modern zeigt, von E. Schleich,
Lichtenheld u. a. vervollständigten die Reihe. Auch
Bürkel und Spitzweg und eine große Anzahl noch
tätiger Meister wie Defregger, Zügel u. a. waren
vertreten. Das gelungene Experiment dieser Ausstellung
würde sicher noch eine mehrfache Wiederholung
lohnen. fo.
PERSONAL- UND
ATELIER-NACHRICHTEN
DREMEN. In dem Wettbewerb um den Entwurf
des Franzius-Denkmals erhielt Fritz Schu-
macher-Dresden den ersten Preis.
/^RAZ. Dem Dichter Rosegger soll noch in die-
sem Herbst am Eingang zum Mürztal (Steiermark
) ein Denkmal in Form eines Märchenbrunnens
(der junge Rosegger als Waldschulmeister
in Zwiesprache mit ei-
TROiM PETER
nem Reh) errichtet werden
; der Schöpfer des
Denkmals ist Bildhauer
Hans Brandstetter,
Graz.
/^ESTORBEN: Der
schwedische Landschaftsmaler
Alfred
Wahlberg im Alter von
72 Jahren ; in München
am 1. Oktober der bekannte
Tiermaler Professor
Christian Mali
im Alter von 74 Jahren;
zuerst Lands,hafts- und
Architekturmaler, studierte
er bei Troyon in
Paris die Tiermalerei und
bildete sich zu einem der
bedeutendsten Vertreter
dieses Gebiets aus; er hat
fast sein ganzes nicht unbeträchtliches
Vermögen
dem Münchner Künstlerunterstützungsverein
vermacht
; sein künstlerischer
Nachlaß geht an
die Stadt Biberach, wo er
an der Seite seines langjährigen
Freundes Braith
begraben wurde, über, zusammen
miteinem Legat,
das zur Errichtung eines
Mali-Museums dienen
soll.
Redaktionsschluß: 18. Oktober 1906
Für die Redaktion verantwortlich: F. Schwartz
Verlagsanstalt F. Bruckmann A.-G. — Druck von Alphons Bruckmann.
Ausgabe: 1. November 1906
Sämtlich in München
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