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CLAUS MEYER
IN DER BIBLIOTHEK
und es sind selbst die alten Giebel und Erker
Hamelns, wo er das Gymnasium besuchte,
ohne bleibenden Einfluß auf ihn gewesen,
doch weckte das alte, an Ererbtem so reich
gesegnete Nürnberg frühzeitig in dem jungen
Kunstschüler das Interesse an den „alten
Sachen". Seitdem hat ihn die Vorliebe dafür
nicht wieder verlassen und im Laufe derjahre
hat sich die Kenntnis der mittelalterlichen
und neueren Kultur und Kunst durch gründliche
Studien bei ihm vertieft, gilt doch heute
Claus Meyer als einer der besten Kenner der
Kostümkunde.
Eins seiner ersten Bilder auf dem Gebiete der
Genremalerei ist das „Im Quartier" genannte.
Zeitlich folgen diesem die jungen Klosterleute
„In der Bibliothek" (s. Abb. oben) und das
junge Ehepaar (s. Abb. S. 106), mit dem er
seine ersten Erfolge erzielte. Schon in diesen
Erstlingswerken haben wir den ganzen liebenswerten
Claus Meyer vor uns, mit all dem
wahrhaft zärtlichen Sichversenken in fremde
Art und fremdes Denken. Auch die malerischen
Qualitäten, die sich allerdings in späteren
Jahren immer sicherer und feinfühliger
gestaltet haben, sind in ihnen schon festgelegt,
wie er auch schon hier die prunkhaftesten
Innenausstattungen und die kompliziertesten
Durchblicke mit verblüffender Einfachheit und
Selbstverständlichkeit wiederzugeben versteht.
Und erst die späteren Bilder! So fein nuanciert
hat kein anderer außer ihm, wenn es
sich darum handelte, Belebtes und Unbelebtes
zu einem Gusse zusammenzuschmelzen, mag
dabei der Frieden eines Männer- oder Frauenklosters
mit still lockendem Ausblicke in Klostergarten
und Dorfstraße oder die ausgelassene
Fröhlichkeit einer lustigen Zechgesellschaft in
Frage kommen. Nirgends wird man einem
Vorwurfe begegnen, wo er mit groben sinnlichen
Mitteln seine Absi :ht zu unterstreichen
notwendig gehabt hätte. Das sind Mittel, die
Claus Meyer mit Recht verschmähen kann,
steht ihm doch neben dem angeborenen fein-
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