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der weltgeschichtlichen Taten der Machthaber,
sondern eine Rückschau auf die Kultur des
Volkes das Resultat war. - (Bei dieser Gelegenheit
sei hier erwähnt, daß das kulturgeschichtliche
Bild in beispiellos erschöpfender
Weise durch Wandmalereien in anderen Räumen
des Schlosses eine Ergänzung findet. So
hat Willy Spatz in der Schloßkapelle die Segnungen
des Christentums verherrlicht, während
Peterjanssen zurzeit damit beschäftigt ist, eine
Kemenate mit
einem Zyklus aus
dem Leben der
Frau im Mittelalter
zu schmük-
ken. Gewissermaßen
als Wegweiser
durch die
Geschichte des
Landes wird dann
ein besonderer
Raum mit einem
von Adolf Schill
geistreich erfundenen
, auf große
dekorative Wirkunghinzielenden
„Stammbaum"
im Auftrage des
Kunstvereins für
die Rheinlande
und Westfalen
versehen.)
Die beiden
Kopfseiten des
„Rittersaales"
werden von grossen
Fresken eingenommen
, von
denen das eine
die Gefangennahme
Siegfrieds
von Westerburg,
Erzbischofs von
Köln durch Graf
Adolf V. von Burg in der Schlacht bei
Worringen (Abb. S. 118) und das andere
den Auszug der Freiwilligen des Bergischen
Landes im Jahre 1815 (Abb. S. 120) darstellt
. Bei letzterem Bilde, das übrigens den
Zyklus schließt, hat der verstorbene Hermann
Huisken seinem Lehrer zur Seite gestanden
. Beide Längswände des Saales sind
von spitzbogigen Fenstern in tiefen Nischen
durchbrochen, so daß für die Bemalung nur
Wandflächen von auf beiden Seiten segment-
förmig abgeschlossener Form übrig bleiben.
Diese hat Claus Meyer mit Einzeldarstellungen
claus meyer
aus der Geschichte der Burg und aus dem
Leben ihrer Bewohner geschmückt; auf der
einen Saalseite mit der Erbauung der Burg,
einem Abschied von Kreuzfahrern, dem Uberfall
Engelberts von Berg im Hohlwege zu
Gevelsberg und die Verweigerung des Einlasses
der Leiche dieses ermordeten Erzbischofs
von Köln in die Burg. Auf der
gegenüberliegenden Wand folgt, im Anschluß
an die eben erwähnte Gefangennahme Siegfrieds
von Westerburg
, dessen
Einbringung in
die Burg, ferner
die Befreiung des
Herzogs Wilhelm
von Burg durch
seine Söhne, dann
die, die Vereinigung
der beiden
Länder besiegeln
de, Verlobung
der herzoglichen
Kinder von Berg
und Cleve und
schließlich die
Zerstörung der
Burg durch die
Schweden im
Jahre 1614. Diese
Bilder sind sämtlich
, bei all ihrer
Farbenfreudigkeit
, von einer
Delikatesse des
Tones und, in An-
passungan diege-
gebenen Verhältnisse
, von solch
bedeutender dekorativer
Wirkung
, daß sie, im
Einklang mit der
beguine vom Künstler
selbst bestimmten
Tönung des ganzen Saales, dessen ungeheure
Weiträumigkeit zu einer harmonischen Ab-
rundung bringen. Leider lassen die Abbildungen
fast alles zu wünschen übrig, weil die
lokale Beschaffenheit des Saales eine gute
photographische Aufnahme erschwert hat.
In seinem Wirkungskreise an der Akademie
in Düsseldorf entwickelt Prof. Claus Meyer als
Leiter einer Meisterklasseeine fruchtbare Tätigkeit
. Mehrere seiner Schüler sind bereits
mit achtenswerten Leistungen an die Oeffent-
lichkeit getreten, die gezeigt haben, daß
Claus Meyer die erste Pflicht des lehrenden
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