Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 15. Band.1907
Seite: 126
(PDF, 164 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_15_1907/0164
^=^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=v~

Vorzug des Engadiner Malers begründet, den mit ihm
wenige der reinen Impressionisten teilen. Besitzt Gia-
cometti als Impressionist mit starkem dichterischen
Empfinden Kompositionskraft und schöpferische Einfälle
, so geht er zuweilen — nicht minder temperamentvoll
— rein malerischen Untersuchungen nach, dem
künstlichen Licht im Innenraume und seinem Farbenspiel
, und den Wirkungen der Nachbarschaft gegensätzlicher
Farben in anderen verwickelten Beleuchtungsverhältnissen
. Oder er studiert das ornamentale
Nebeneinander der Bäume, Flüsse, Steinlagerungen,
Wolkenbildungen, um aus diesen Gegenständen ein
zusammenhängendes natürliches dekoratives Gebilde
herauszugestalten. Hier verschwindet zuweilen vielleicht
jede landschaftliche Vorstellung hinter dem
Ornamentalen und der Inhalt scheint Giacomettis
Naturanschauung gewaltsam untergeordnet. Die
Kühnheit, mit welcher das Problem angefaßt ist,
ersetzt dann die Unzulänglichkeit der versuchten
Lösung. Hermann Kesser

IZ ÖNIGSBERG i. Pr. In Teicherts Salon haben
sich zu der Kollektivausstellung von R. Kraus-
koff eine Anzahl Werke anderer einheimischer
Künstler gesellt. Ernst Bischoff-Culm zeigt vier
Bilder, die künstlerische Ausbeute des letzten Sommers
, welche die arme und doch so reizvolle Landschaft
der Kurischen Nehrung und deren Bewohner
schildern: Natur und Mensch in enger Verbindung
als künstlerisch gleichwertige Komponenten. Alle
vier Stücke zeigen die Menschen im Sonntagskleid
und atmen Feierstimmung. Bischoff verfügt über
eine große Sicherheit des Auges und der Hand; aber
freilich kann er nur malen, was ihm still hält, und
bleibt darum stets auf das Modell angewiesen —: die
flüchtig wechselnde Bewegung festzuhalten, scheint
ihm versagt. Die Bilder zeigen ein lebhaftes, beinahe
knalliges Kolorit; ihre Wirkung wird ein wenig
beeinträchtigt durch die Größe des Formats, für das
der Gegenstand nicht bedeutend und interessant genug
ist. Trotz dieser Mängel sind seine Arbeiten recht
erfreulich. Waldemar rösler, ein hoffnungsvolles
Talent unter unseren Jüngsten, sündigt durch arge
Geniepatzerei. H. Wagenbichler stellt einige zart
und poetisch empfundene Sachen (Stilleben, Landschaft
u. a.) aus. Margarethe Osterroht, von
Hause aus Bildhauerin, leistet als solche Tüchtiges,
aber nicht eben Hervorragendes, bekundet aber ein
ungewöhnliches Talent für kunstgewerbliche Arbeiten,
für deren Ausführung sie unter den Handwerkern
am Orte geeignete Kräfte zu gewinnen verstanden
hat. Sie besitzt ein feines Verständnis für die Eigenart
des Materials, ein noch feineres für den Reiz
der Linie und Fläche. Der Pflanzenwelt weiß sie
durch geschickte selbständige Stilisierung eine erstaunliche
Fülle köstlicher Schmuckmotive abzugewinnen
. Hugo Witt

E> UDAPEST. Auf der Nachlaß-Ausstellung des kürz-
lieh verstorbenen Malers Alexander Bihari
wurde bei einigen Bildern eine gefälschte Unterschrift
festgestellt. Bei weiterer Untersuchung ergab
sich, daß auf nicht weniger wie 281 Bildern die Signatur
gefälscht ist. Die Witwe Biharis erklärte alle
Bilder für echt, nur habe sie die Unterschrift auf
die Bilder gesetzt. Eine Kommission wird nun den
ganzen Nachlaß auf seine Echtheit prüfen.

OERLIN. Am 22. und 23. November versteigert
das Kunstauktionshaus Rudolph Lepke die
Sammlung Georg Agath, Breslau, bestehend aus
kunstgewerblichen Arbeiten der Gotik und Renaissance
.

W/"EIMAR. Dritte Ausstellung des Deutschen
Künstlerbundes. Die Zahl der Besucher belief
sich auf ca. 17000; für hiesige Verhältnisse ein
immerhin erfreuliches Resultat. In letzter Zeit wurden
noch für das Großherzogliche Museum für
M. 30 000.— und privatim vom Großherzog für
M. 8000.— angekauft. Dazu kommen noch die
Privatankäufe. r.

]\/IÜNCHEN. Eine Ausstellung englischer Meister
des 18. Jahrhunderts hat die rührige Galerie
Heinemann in München veranstaltet und wir bekommen
dabei Werke zu sehen, wie sie in Deutschland
nur selten gezeigt werden. Namentlich ist
Raeburn durch wundervolle Arbeiten vertreten und
John Constable durch eine große Kollektion von
Landschaften (35 Bilder) aus verschiedenen Entwicklungsstadien
dieses, für die ganze moderne
Malerei so hochbedeutsamen Künstlers, der auch
durch seine Schüler, die Maler von Barbizon auf die
Münchener Meister der intimen Landschaft, die
Schleich, Lier und Ebert, beträchtlich eingewirkt
hat. Gerade in dieser Kollektion sind Bilder (wie
>Hampstead Heath«), welche jene Zusammenhänge
ganz verblüffend erkennen lassen. Ein prächtiges Werk
ist die monumentale Darstellung der »Stonehenge«,
Tinterns Abbey usw. Das bedeutendste Werk Henry
Raeburns und wohl auch die Perle der ganzen Sammlung
ist das dreifigurige Familienbild, unendlich
liebenswürdig, bei aller Behaglichkeit vornehm und
meisterhaft in seiner leichten, flüssigen und sicheren
Malerei, seinem warmen, feinen Ton. Das Bild eines
Herrn von staatsmännischem Typus in dunklem Rock,
das koloristisch überaus feine und menschlich nicht
minder anziehende Konterfei des Sir Alexander Campbell
, das des Lord Douglas reihen sich würdig an.
Von Thomas Gainsborough sind ein paar schöne
Frauenbildnisse da, von denen das einer jungen Dame
mit hoher Rokokofrisur durch prickelnd delikate Malerei
und feine Zeichnung hervorragt, unter den Bildnissen
von Joshua Reynolds überrascht namentlich
das frühe Porträt der Countess of Hyndford
durch entzückenden Reiz der Farbe. Charakteristischer
für seine spätere Art ist das Bild der »Robi-
netta», doch scheint die Autorschaft nicht festgestellt.
Ungleich ist Lawrence vertreten; mit großer Eleganz
hingeschrieben ist das Bildnis der Lady Hill, ferner
die flotte »Kinderstudie«. Ein charmanter George
Romney stellt die Herzogin von Kent in der Uniform
ihres Mannes dar; auch das Bildnis eines Richters
in rotem Talar, Sir Robert Stronge, ist eine
gute Arbeit, ebenso John Hoppners Bild eines
jungen Mädchens. Vortreffliche Landschaften sind
von David Cox und J. Crome, sogar von Turner
sind zwei, wenn auch frühe Bilder, darunter eine
höchst interessante Ansicht von Edinburgh vorhanden
. - - Im Vorräume des großen Oberlichtsaales,
der die Engländer aufnahm, wurden einige wertvolle
Gemälde französischer Meister ausgestellt. Der Kopf
einer alten Frau und das Bildnis Antonin Prousts
vom jungen Man et, eine Reihe landschaftlicher Werke
von Courbet, ein Corot von wunderbarer Tonschönheit
und ein Blumenstück von Fantin-Latour
würden für sich allein den Besuch der Ausstellung
lohnen.

NEUE KUNSTLITERATUR

Dr. G. J. Kern, Die deutsche Jahrhundert
-Ausstellung. Ein Erinnerungsblatt. Mit 6 Abbildungen
. Berlin 1906 (Edmund Meyer). Preis M. 1.50.

Eine sobedeutsame Veranstaltung wie die Deutsche
Jahrhundert-Ausstellung in Berlin 1906 fordert be-

126


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_15_1907/0164