Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 15. Band.1907
Seite: 138
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DAS WEISS IN DER DEUTSCHEN MALEREI DES 19. JAHRHUNDERTS

in der Deutschen Jahrhundertausstellung zu
verfolgen, wie sich unsere Landsleute zu dieser
Frage gestellt haben.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das
Weiß im ganzen ziemlich stiefmütterlich behandelt
. Graff ordnete es in den meisten
Fällen zugunsten des Gesichtstons sehr unter.
Wilhelm von Schadow und Wach hielten auch
nicht viel vom Weiß. Und so dachten noch
viele andere. Besonders für Frauenporträts
wollten die Wenigsten dem Gesichtston einen
Konkurrenten geben. Und wenn auch weiße
Kleider sehr beliebt waren, wobei man gern
an die Eleganz Van Dycks dachte, so durften
sie doch in der Regel nicht das Hellste im
Bilde sein. Durch viele Falten und Reflexfärbungen
wurde der Stoff so verdunkelt, daß
den Gesichtern die Helligkeit und zwar der

REINHOLD BEGAS

«« DENKMAL ALEXANDER
V. HUMBOLDT (ENTWURF)

erstrebte Ton von „Milch und Blut" vorbehalten
blieb. Uebrigens konnte man sich
mit diesem Verhalten auf die besten Vorbilder
berufen, mit denen diese Maler sich keineswegs
messen durften. Wie oft hatte Tizian
gegen allen Augenschein mit königlicher Willkür
das Weiß so mit Grau durchfurcht, daß es
zum bescheidenen Diener der lichten Frauenschönheit
wurde. Und nach ihm hatten viele
andere dasselbe Prinzip befolgt. Die Deutschen
vom Anfang des 19. Jahrhunderts werden
solche Tradition für sich in Anspruch genommen
haben. Da sie im allgemeinen in koloristischen
Dingen ziemlich ahnungslos waren,
werden sie kaum bemerkt haben, daß neben
diesem degradierten Weiß auch das, was ihr
Lichtes vorstellte, farbigen Reiz so sehr vermissen
ließ. Wobei Graff eine Ausnahme bildet.

Selbst die Gruppe von Lichtmalern
, welche als Entdeckung der
Jahrhundertausstellung gelten, haben
sich zu wirklichem Weiß nur
ausnahmsweise bekannt. Philipp
Otto Runge war der erste seines
Jahrhunderts, der in einem einzelnen
Fall, in der Allegorie des
Tages, durch lebhafte Unterscheidung
des Kalten und Warmen der
Natur des Lichts nahezukommen
suchte. Aber im Weiß, besonders
beim Porträt, verkannte auch er
den kühlen Wert. Er behandelte es
ziemlich unsanft. Durchkreuzte es
im hellen Licht mit schwerem
Grau — er meinte Sonnenschein
damit auszudrücken. Bei zerstreutem
Licht machte er aus einem
Leinenkragen ein freudlos graues
Ding. Er hat weder warme noch
kalte Farbe. Das Gesicht erscheint
dagegen hell.

Selbst Kersting, der in ein paar
Jugendbildern bei aller biedermeierisch
vorsichtigen Abschwächung
des Kolorits so viel von altholländischer
Kultur verrät, läßt sich das
Weiß als hellste Pikanterie entgehen
, das grade seinen zarten gelben
und graugrünen Nuancen als
Auffrischung gut getan hätte. Bei
Wasmann spielt allerdings zwischen
überraschend hellfreudigen Landschaftstönen
das Wolkenweiß eine
bemerkenswerte Rolle, im geschlossenen
Raum unterdrückt er diese
Note aber lieber, wie besonders
eine feine Tiroler Interieurstudie
zeigte. Ebenso war es in jenem

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