Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 15. Band.1907
Seite: 142
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DAS WEISS IN DER DEUTSCHEN MALEREI DES 19. JAHRHUNDERTS

silberne, bläuliche Weiß auf. Oder auch in
kleiner Menge das ganz weiße Weiß. Böcklins
Kolorismus ist im ganzen kühl. Sein Blau,
von dem vorzüglich gesprochen wird, ist es
nicht allein. Sein sehr lebhaftes, dunkles Grün
scheint er von naßgeregneten Bäumen genommen
zu haben, in denen sich der Himmel
spiegelt. Auch das Rot, selbst noch, wo es
Scharlach heißt, hat etwas Kaltes. Dazu paßt
sein Weiß, ob es nun spritzender Wogenschaum
oder ein weißer Bart oder das helle Gefleck
auf einem scheckigen Zentaurenfell ist. Böcklin
ist, nachdem er sich einmal von den rotwarmen
Abendlandschaften mit dem warmschwärzlichen
Laub abgewandt hatte, einer der ersten
gewesen, die für eine kühle Gesamthaltung
der Palette Partei genommen haben.

Eine andere Dreizahl von Malern — freilich
eine willkürliche Zusammenstellung
, da
sie nicht viel miteinander
gemein haben
— hat nur gelegentlich
die kühle Helle
sehen wollen: Ma-
kart, Lenbach, Gabriel
Max. Von dem
ersten wüßte man
heute vielleicht kaum
mehr, daß es überhaupt
geschehen,
wenn es keine Skizzen
von ihm gäbe. In
seinen großen Gemälden
ist das Hellste
im Braun ertrunken
. Aber er hat keineswegs
ausschließlich
und überhaupt
kaum mit Absicht so
stark dem gehuldigt,
was man Goldton
nennt, als man aus
seinen durch die Asphaltuntermalungge
schädigten
Dekorationsstücken
heute
herausbuchstabiert.
Die Jahrhundertausstellung
brachte eine
Zentaurenschlacht-
skizze ans Licht(Mu-
seum in Posen), eine
alla prima hingeworfene
und darum in der
Farbe gut erhaltene
Malerei von 1868. In

ihr steht als Hellstes reinhold begas

zwischen rotem Glühen und perlmutterschimmerndem
Fleisch eine kleine Stelle delikates
bläuliches Weiß. Auch Lenbach haben die
Heutigen kaum mehr ein so kräftiges weißes
Krageneckchen zugetraut, wie im Porträt des
Malers Hagen als Ermunterungsmittel zwischen
vielen Pergamenttönen zum Vorscheine kam.
Für Frauenbildnisse bevorzugte er allerdings
schon in seiner frühen Zeit das Prinzip der
Unterdrückung des Weiß zugunsten der Gesichtshelle
. Sehr viel breiteren Raum ließ
Gabriel Max dem Weißen. Kaum von Schatten
durchbrochen als eine Reihe zart gegeneinander,
abgestufter Nuancen am Kleid, Tuch, der Buchseite
und den Apfelbaumblüten, hat er es einmal
in ganz lichtes Graugrün und Rosa sehr
lind eingebettet in einer Malerei, die sich
Frühlingsmärchen nennt. Eine junge Frau auf

einer Bank im Freien
. Ein Pleinair sans
phrase und doch von
einer sehr zarten
Durchbildung des
Details und ohne die
Romantik, die der
Name vermuten läßt.

Wirklich zu Blau
geworden — neben
anderen Farbenbeimischungen
— ist
das Weiß im letzten
Jahrzehnt in der Malerei
von Trübner. Er
suchte die Beleuchtungen
, die so etwas
erlaubten. Stellte
seine Modelle in die
helle Sonne, suchte
sich blaue Röcke,
nahm Baumgrün als
Umgebung, um die
kalten Reflexe zu erhaschen
. Man weiß,
daß er ganz anders
begann. Die Anregungen
von Paris,
Courbet und die Malerei
der Holländer,
wie man sie in Paris
auffaßte, haben mitgesprochen
, um dies
Weiß zu bilden, das
sich von jeder gelben
Zutat entschieden
befreit hat, das aber
noch immer viel
Dunkles durchschei-
kandelaber nen läßt. Leibi ging


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