Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 15. Band.1907
Seite: 167
(PDF, 164 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_15_1907/0213
-*=^> DIE KLASSISCHE BILDNISKUNST IN ENGLAND <ö^~

während Gainsborough sehr oft in mehr genreartiger
Auffassung das Schwergewicht auf die
anmutige Gesamterscheinung legt und dabei
das Individuelle beinahe vernachlässigt, so daß
seine Frauen sich eigentlich alle ein wenig
ähnlich sehen. Freilich darf man nicht außer
acht lassen, daß Raeburn fast eine Generation
jünger war als der Engländer. Während
die Frauen dieses durchweg noch das
Rokokokostüm mit seinen bauschigen Seidenkleidern
und großen Hüten tragen, sind
die meisten Frauen jenes in schlicht herabfließende
, Arme und Hals freilassende Empirekleider
gehüllt, die das Auge nicht ab-, sondern
zum Antlitz hinlenken (s. die Mrs. Simpson,
S. 164). Man kann also entgegen modernen
Theorien auch hier die Erfahrung machen,
daß eine nivellierende Tracht nicht auch die
Menschen nivelliert. Einen besonderen Reiz
geben die in die Stirn fallenden gekräuselten
Haare. Alle Erinnerung an das Rokoko ist
hier geschwunden, dagegen denkt man wohl

an das klassischste aller französischen Empirebildnisse
, Davids Madame Recamier.

So ist jeder dieser drei Künstler eine festgefügte
, scharf umrissene Persönlichkeit. Läßt
man ihre Bilder aber flüchtig vorübergleiten,
so überwiegt das Gemeinsame über die Unterschiede
. Sie sind Söhne eines Landes und zwar
eines Landes, das damals eine geschlossene
Kultur besaß. Während die deutschen Künstler
bald nach England, bald nach Frankreich, bald
nach Italien schielten, hatten sie den Mut,
englisch zu sein und konnten nur so „klassisch"
werden.

APHORISMEN

Der Reiz eines Kunstwerkes liegt fast immer in

uns selbst, gleichsam in der momentanen Stimmung

unseres Blicks. Goncourt

*

Es ist ein Irrtum zu glauben, wie es mehrere
Gelehrte getan haben, daß in einem Kunstwerke die
Schönheit etwas mit dem Thema zu tun haben könnte.

Töpffer

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