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VON AUSSTELLUNGEN
UND SAMMLUNGEN
DERLIN. Ziemlich umfangreich und recht bunt ist
die Herbstausstellung im Gurlitfsehen Salon: zwei
Dutzend Künstler mit durchschnittlich zwei bis drei
Werken. Erlauchte Namen sind darunter: Feuerbach
, Böcklin, von dem man die an schönen Einzelheiten
so reiche, als ganzes so erschreckend geschmacklose
>Melancholia« wiedersieht, Leibi, von
dem drei großartige Zeichnungen, darunter der erste
Entwurf zu den Frauen in der Kirche, ausgestellt
sind, dann Tboma und Trübner und hervorragende
Ausländer wie Brangwyn und Liljefors. Am reichsten
ist Uhde vertreten, mit neun älteren Werken,
darunter die älteste Fassung der Grablegung und
der schlicht ergreifende Ostermorgen von 1891.
Von Heinrich Reifferscheid, dessen »Abendessen
« auf der letzten Sezessionsausstellung einen
so großen Erfolg davongetragen hat, sind zwei neue
henry raeblirn
general ronald ferguson
nicht minder gelungene Lampenlichtbilder geschickt
worden, die »Unterhaltung« eines stehenden älteren
und eines sitzenden jüngeren Mannes beim gedämpften
Schein der auf dem Tische stehenden
Lampe, und ein >Bad«, bei dem die unsichtbare
Lichtquelle von links her ein nacktes Mädchen
hell beleuchtet, dem die alte Dienerin das Bad
bereitet. Gertrud Wurmbs jüngste Bilder aus
alten Hamburger Straßen erreichen nicht ganz
die in der letzten Münchener Glaspalast-Ausstellung
gezeigte Spitalstraße; sie sind farbiger, reicher
mit Staffage ausgestattet, aber leider auch oberflächlicher
. Es wäre aufs lebhafteste zu bedauern,
wenn sich die reich begabte Künstlerin durch ihre
Erfolge zu schablonenmäßiger Raschmalerei verleiten
ließe.
Fast noch bunter ist das Bild bei Cassirer, der
zum erstenmal den größeren Teil seines Salons
Werken alter Meister eingeräumt hat. Hauptsächlich
sind es Bildnisse, gute von Sandvoort, van
Ceulen, Honthorst, minder gute von Goya und Reynolds
, das beste, eine sitzende Dame
vom Jahre 1600, wird dem Cornelis
Ketel zugeschrieben. Dazu kommen
ein paar holländische Landschaften,
eine ganz von Rubens inspirierte »An-
dromeda« Watteaus und mehrere andere
französische Bilder. Im mittleren
Saal sind die neuesten Arbeiten Lei-
stikows ausgestellt, darunter ein paar
vortreffliche Marinen, und gegenüber
ein Teil der Ausbeute von Liebermanns
holländischem Aufenthalt, besonders
einige Impressionen vom
Strande und aus den Dünen von einer
Zartheit der Lufttöne, wie sie selbst
Liebermann nur in den besten Stunden
gelingt.
T EIPZIG. Bei Mittentzwey-Windsch
*^ findet zurzeit eine Kollektivausstellung
von Felix Possart - Berlin
statt. Sie umfaßt etwa 25 Werke und
zeigt lediglich Darstellungen aus dem
Orient und Kompositionen aus dem
Leben Jesu. Besonders das »Abendmahl
«, das im Aufbau an Rembrandt
erinnert, ist sehr lebendig und farbig
sehr reizvoll. In der anderen Sonderausstellung
lernen wir einen — offenbar
— jungen Münchener Maler kennen
: J. Clauss. Wenn so simple
Dinge wie Fischkästen nicht ausgezeichnet
gemalt sind, vermögen solche
Bilder beim Beschauer kein Interesse
zu erzwingen.
Bei P. H. Beyer & Sohn hat die Vereinigung
„Akademia" ausgestellt. Die
Gruppe rekrutiert sich aus den früheren
Schülern der Leipziger Akademie.
Ihr gehören u. a. an: Prof. K. Seff-
ner, Felix Pfeifer, F. Eiseng Räber,
Max Lose und viele andere. rgm.
CTOCKHOLM. Carl Larsson-Aus-
^ Stellung im Künstlerhaus. Unter
den Oelgemälden fällt besonders eine
Kinderszene »Märchen« auf, sowohl
wegen ihres Stimmungsgehalts, der
alles Süßliche angenehm vermeidet,
wie des feinen Beleuchtungseffekts
durch die farbige Glaslampe. Ein anderes
größeres Gemälde aus dem
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