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-*=4^> HEINRICH ZÜGEL <^=^
Anerkennung deren Erfolge begrüßen, und
sehen ihn das Gute daran bereitwilligst aufnehmen
und verarbeiten. Aber trotz aller
Modifikationen in seinem Schaffen während
seines arbeitsreichen Lebens haben wir stets
einen Menschen vor uns aus einem Guß,
einen Menschen, der mit nie versiegender
Schaffenskraftsich, fortschreitend, immer neue
Aufgaben sucht und den Wundern der Natur
mit heller Begeisterung staunend und bescheiden
gegenübersteht.
Heinrich Zügel wurde geboren am 22. Oktober
1850 in Murrhardt in Württemberg als
Sohn eines dort lebenden Schäfereibesitzers.
In kleinen, aber wohlgeordneten Verhältnissen
aufgewachsen, liebte er es, in seiner schul-
und arbeitsfreien Zeit mit den Angestellten
seines Vaters auf die Weide zu ziehen, wo
wir den kleinen Jungen, schon früh in stetem
innigen Konnex mit der Natur, an den langen
Nachmittagen die ihm lieb gewordenen Tiere
scharf beobachten und sie auf der Schiefertafel
und wohl auch plastisch nachbilden und
abkonterfeien sehen. Sein Vater läßt ihm
eine sorgfältige Erziehung angedeihen. Er besucht
die Volks- und Lateinschule seiner Vaterstadt
und wird, da sich eine außergewöhnliche
Begabung schon früh zeigt, nach Absolvierung
dieser Anstalten auf die Fortbildungsschule
nach Schwäbisch-Hall geschickt,
wo er sein Talent durch Zeichnen nach Gipsmodellen
und Kopieren von Lithographien betätigt
. Ein kleines Stipendium, das ihm von
einem hohen Gönner ausgesetzt ist, erleichtert
ihm das Studium und, als anläßlich einer
Schülerausstellung seine Arbeiten die Aufmerksamkeit
weiterer Kreise erregen, glaubt
er sich befähigt, auf dem eingeschlagenen
Wege weiterzugehen, und besucht die Kunstschule
in Stuttgart. In der Klasse des Professors
Rüstige beginnt er sein akademisches
Studium. Allein dem trockenen Zwang des
damaligen Unterrichtes konnte der Neuzehnjährige
keinerlei Reiz abgewinnen und wir
sehen ihn nach zwei Jahren der Qual in München
, wo er, kühn und alles wagend, sich
selbständig gemacht hat. Reichliche Staatsstipendien
, die dem talentvollen und fleißigen
Schüler in Stuttgart zugeflossen waren, fielen
durch diese Fahnenflucht selbstverständlich
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