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VON AUSSTELLUNGEN
UND SAMMLUNGEN
DREMEN. Mitte Januar wurde in der Kunsthalle
die erste Ausstellung der Vereinigung nordwestdeutscher
Künstler geschlossen, jener neuen Gruppe,
die sich auf Grund der Oldenburger Ausstellung
des Jahres 1905 zusammengefunden hatte. Der
Versuch, heutzutage auf Grund landsmannschaftlicher
Beziehungen einen Künstlerverein zu bilden
, könnte insofern zu Mißverständnissen Anlaß
geben, als er bei den Unbeteiligten die Meinung
aufkommen läßt, daß es sich um eine Lokalschule
handele, die mit ihrem gleichartigen Charakter
die Mitglieder verbindet. Das ist natürlich längst
nicht mehr möglich. Die Freizügigkeit unseres modernen
Künstlerlebens bringt es mit sich, daß die
Stammesgenossen sich bald genug über ganz Deutschland
zerstreuen und die verschiedensten Richtungen
einschlagen. So würde man sich auch angesichts
dieser Ausstellung in einiger Verlegenheit befinden,
wenn man bezeichnen sollte, in welcher Art sich
ihr nordwestdeutscher Charakter offenbarte. Die verschiedensten
Schulen geben den Ausstellungssälen
den gewohnten Charakter. Hier Berlin, dort München,
da Stuttgart, dann wieder ein wenig Weimar, daß
die auch anderswo nicht fehlende Note der Worps-
weder und Hamburger hier mehr hervortritt, ist
selbstverständlich. Verhältnismäßig am wertvollsten
unter den 189 Nummern der Ausstellung scheinen
mir die Skulpturen zu sein, nicht zahlreich, aber
glücklich ausgewählt. — Von den Münchnern Fritz
Behn, Ulfert Janssen und Wilhelm Krieger
sind ausgezeichnete Büsten in dem strengen, in
München entwickelten Stil vorhanden. Von Behn
ferner insonderheit die bekannten vorzüglichen Reliefs
für das Schiller-Denkmal in Essen, sowie für
das Berliner Grabmal eines Brautpaares, zu dem
auch das höchst instruktive Modell ausgestellt ist.
Eine Kollektion von zwölf Plaketten Georg Roemer's
gehört zu dem Allerbesten, was auf diesem allzulange
vernachlässigten Kunstzweige gegenwärtig hervorgebracht
wird. Unter den Gemälden hängt der
Eingangstür gegenüber am verdienten Ehrenplatze
das vortreffliche Damenbildnis Olde's (Fräulein
von Schorn), das zuerst auf der Weimarer Künstlerbund
-Ausstellung erschien. Es fehlt auch sonst nicht
an führenden Namen. Von Kuehl sind zwei ausgezeichnete
Interieurs da, von Dettmann drei gute
Bilder, unter denen das größte »Unter dem Hollunder-
busch« ein Liebespaar in schwüler Sommerabenddämmerung
darstellt. Kallmorgen ist mit einer
großen Marine in seiner gewohnten gleichmäßigen
Qualität vertreten. Die Hamburger haben die bekannte
jüngere Künstlerschar entsendet, die sich im
Anschluß an die Bestrebungen der Kunsthalle herangebildet
hat. Unter ihnen waren namentlich Illies
und Eitner mit tüchtigen Bildern hervorzuheben.
Zu ihnen gesellt sich als ein jüngstes, bisher noch
wenig bekanntes Talent Fritz Ahlers mit der
farbenfrisch gemalten Studie einer im sonnigen
Garten mit ihrer Handarbeit sitzenden jungen Dame.
Die Worpsweder haben nicht so viel eingeschickt,
als man es hätte erwarten dürfen, da sie gleichzeitig
durch eine Kollektivausstellung in Berlin in Anspruch
genommen waren. Am besten von ihnen
schneidet vielleicht Modersohn mit dem leuchtend
farbigen Gemälde der »Moorhütten« ab. Die größte
Beachtung lenkt allerdings Heinrigh Vogeler auf
sich mit dem Bildnis seiner Frau, die in Herrentracht
zu Pferde vor seinem Worpsweder Hause
hält. Das Gemälde, das von den einen wegen der
bekannten liebenswürdigen Eigenschaften seines
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