Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 15. Band.1907
Seite: 250
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-^Ss£> GEORGE SAUTER *C^=^

kommen als die meisten unserer Modernen
durch die Erkenntnis, daß Farbe ebenso mitbestimmend
ist wie Linie und Form, daß das
Milieu, in dem der Dargestellte sich bewegt,
in dem er lebt, auf dem Bilde irgendwie zum
Ausdruck kommen muß, daß dann diese Vereinigung
von Modell und Raum etwas durchaus
Bildnismäßiges, in sich Abgeschlossenes haben
muß, so daß wir ein Stück Leben vor uns
sehen. Sauter ist deshalb auch jeder äußeren
Prachtentfaltung, falls sie mit dem Wesen
des Dargestellten nicht im notwendigen Zusammenhang
steht, abhold. Wohl liebt er kostbare
Stoffe, Brokate in goldenen gebrochenen
Tönen, weich fließende Gewänder, in denen
es da und dort wie Metallglanz aufblitzt

aber nie dienen diese trefflichen Dinge
äußerlich konventionellen Zwecken. Sie um-
schmiegen seine hohen Frauengestalten und
erhöhen ihre müde Grazie, sie sind oft nur
dazu da, damit die Sonne auf sie scheint und

george sauter

ihre ungeahnten Wirkungsmöglichkeiten entschleiert
. Doch kann der Künstler diese Dinge
auch ebenso gut entbehren, wenn er allein
das Wesen sprechen lassen will. Nehmen
wir z. B. das Bild der Geschwister Cornelius.
Wie er bei Fräulein Cornelius alles in die
Augen legt, in diese tapferen, hellen, aufrichtigen
Augen. Man vergißt alles andere darüber
. Der Bruderim Hintergrundistnur undeutlich
erkenntlich, aber mehr bildmäßig als porträtmäßig
behandelt. Und doch ist er es, denn
das Charakteristische an ihm, die hohe breite
Stirn mit der herein fallen den Haarsträhne leuchtet
aus dem unbestimmten Dämmer und suggeriert
uns mehr vom Wesen des Dargestellten
, als es ein mit allen Schikanen und
Einzelheiten ausgestaltetes Porträt tun könnte.
Freilich, wie wenige verstehen so etwas, wie
wenige Auftraggeber z. B. würden sich damit
zufrieden geben, wenn bei einem Gruppenbild
eine Gestalt nicht so genau ausgeführt
ist wie die andere. Sargent ist
in dieser Hinsicht auch groß und
mutig. Oder nehmen wir eines
der bedeutendsten Bilder Sauters
„Die Freunde" (Venedig, Moderne
Galerie, s. Abb. nebenan). Er
schuf dieses Werk in den neunziger
Jahren, wohl etwas unter
dem Einflüsse Carriere's. Bei
Carriere ist die Gewohnheit, „alle
Stoffe in einen schwarz - grauen
Dunst von Dämmerung zu hüllen,
bis zur Leidenschaft ausgebildet
gewesen". Auch Sauter hat diese
Neigung, doch ist sie bei ihm nie
zur Manier geworden, und der
Ton seiner Schleier ist nie wie
z. B. bei manchen der jungen
schottischen Garde zu einer fertigen
Farbenmischung geworden,
die nach einem gut ausprobierten
Rezept schmeckt. Sauter hat eben
sehr richtig erkannt, daß der Gegenstand
, von dem wir uns entfernen
, seine bestimmten Umrisse
verliert, daß sich je nach Raum
und Beleuchtung eine Art Nebel
zwischen Beschauer und Geschau-
tes legt und daß die Modellierung
der Gestalten in großem Masse
von der jeweiligen Dichtigkeit und
Tonqualität dieses Nebels abhängt.
So sind auch „Die Freunde" zu
verstehen. Sie sitzen in einem
dämmerigen Raum, der, obgleich
nur ein dunkler Hintergrund und
ein Stück Sofa sichtbar ist, uns

die freunde

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