Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 15. Band.1907
Seite: 257
(PDF, 164 MB)
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-=,=^> VOM DEUTSCHEN KÜNSTLERBUNDE <^=*-

Reichtum in den Dienst einer großen Bewegung
gestellt hatte; Zwischenträger, Leisetreter
und der ganze Wust und Kehricht, der
sich vor Fürstenhöfen anzuhäufen pflegt:
das sind Dinge, die keine erquickende Erörterung
zulassen. Das Resultat, daß einstweilen
der Künstlerbund als solcher nicht in
Weimar ausstellen
kann, weil ihm kein
Lokal mehr zurVer-
fügung steht, ist bedauerlich
.

Fassen wir die
Frage etwas breiter
und klarer ins Auge
. Es handelt sich
schließlich nicht darum
, wer zuletzt
lacht und die Oberhand
behält bei einer
eingefädelten
Intrige. Es handelt
sich nicht um Personen
, sondern um
die Sache als solche
und ihre Zukunft.
Da mag wohl manchen
besorgten Gemütern
Anlaß zur
Beklemmung kommen
in der bangen
Frage : Was nun ?
Was bedeutet die

Benachteiligung
dieser Künstler-Organisation
? Einer
Vereinigung, welcher
eine geschlossene
Verteidigungsstellung
von vornherein
aufgezwungen
wurde. Der
Bund wurde bekanntlich
anläßlich

der Vertretung
deutscher Kunst
auf der Weltausstellung
in St. Louis
durch einen Druck
von oben, von Berlin
her ins Leben gerufen. Jeder Druck erzeugt
Gegendruck. Die gewaltsam niedergehaltene
Bewegung erzeugte unter dem Hochdruck
eine Spannung, die sich Luft machen
mußte. So wurde die Ungerechtigkeit zur
Geburtshelferin für den strafferen Zusammenschluß
einer Interessengemeinschaft, nicht
etwa nur der jüngeren Talente, sondern der

GEORGE SAUTER

Mehrheit derer, die sich das Recht auf selbstständige
Ausdrucksformen wahren wollen und
an eine zeitgemäße Fortentwicklung deutscher
Kunst und Kultur glauben.

Seit diese Gemeinschaft besteht, hat sie
allerlei Anfechtung und Anfeindung erfahren.
Das war natürlich und gut. Die Kunst braucht

Gegnerschaft und
bei etwas steifem
Gegenwind segelt
sich's besser und
schneller als bei
Windstille. Die
Kunst bedarf aber
vor allem Bewegungsfreiheit
und
ungebeugteRücken,
wenn sie gedeihlich
wachsen und
werden soll — denn
aufs Entstehende,
nicht aufs Entstandene
kommt es
hier an. Jene kostbare
innere Freiheit
braucht sie,
welche sowohl den
veralteten, überlebten
Traditionen,
wie den oberflächlichen
Vorurteilen
der Zeit eine voraussetzungslose
Unbekümmertheit
in der Wahl des
Stoffes und der Mittel
entgegensetzt.
Eine Selbständigkeit
, die, indem sie
das Recht des andern
achtet, auf die
Achtung ihres eigenen
Rechtes, vor
allem des Rechtes
unbedingter Treue
gegen sich selbst,
besteht.

Treue gegen sich
selbst — hat man
bisher durchgängig
und überall im ursprünglichen Sinne des
Gedankens der Gründung des Deutschen
Künstlerbundes daran festgehalten? Einem
Mitringenden und Mitleidenden wird es
schwer, doppelt schwer, die Antwort zu
geben. Immerhin mag ein offenes Wort an
einer Stelle, wo es nicht mißdeutet werden
kann, ein Mahnwort zur gegenwärtigen Lage

MRS. NICO JUNGMANN

Die Kunst für Alle XXII.

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