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VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <ö^v-
lich die Königliche Pinakothek mit einer Anzahl von
Hauptstücken aushalf, als da sind: Herterichs
>Der schwarze Ritter«, Exters »Karfreitag«, Janks
»Halali« und Sambergers »Porträt des Geheimrats
von Reber.« Freiherr Hugo von Habermann
und Albert von Keller haben sich ebensowohl
eingestellt, wie Knirr (das famose »Selbstbildnis
«), Winternitz, Piepho, Borchardt, von
den Jüngern Engels und Weisgerber; Pleuers
»Feierabend« und die von ganz außerordentlichem
Feingefühl getragenen Arrangements in zarten Tönen
von Hummel verdienen besonders hervorgehoben
zu werden. Dann Nissl und Eugen Wolff, die
Landschafter in allen Abstufungen von Benno
Becker, Crodel, Reiniger bis zu dem abseitigen
Haider, die Tiermaler mit Zügel an der Spitze
und Schramm-Zittau, der einmal in der »Frau
und den Geißen«, sein gewohntes Stoffgebiet verlassen
hat. Des Aufzählens Vollständigkeit kann
auch bei den Bildhauern nicht angestrebt werden:
Theodor von Gosen und Fritz Behn fallen da
besonders auf neben Hermann Hahn, der sich in
Büsten, Monumentalplastiken (Liszt-Denkmal und
die Brückenfiguren »Bayern«) und Medaillen immer
die gleiche statuarische Weisheit, die allem kleinlichen
Naturalismus abhold ist, bewahrt. — Der
rührige Hagenbund ließ seiner Vorführung der Arbeiten
Meuniers eine Ausstellung mit gemischtem
Programm folgen. Die ordentlichen Mitglieder sind
gegen die Gäste und gegen den Nachwuchs, der
eben erst Versprechungen gibt, in den Hintergrund
getreten, doch nur der Zahl nach; qualitativ wachsen
August Roth, Ludwig Kuba, Josef Beyer u.a.
zusehends, den »Jungbund« mit den Schneemalern
Adolf Gross und Otto Barth nicht zu vergessen.
Graphiker aus Böhmen hatten vortreffliche Blätter
beigesteuert: der verpariserte deutsche Ferdinand
Michl und die tschechischen Simon, Stretti und
Kaspar. Einen weiteren Ueberblick über das Schaffen
von Louis Corinth, als es bisher in Wien möglich
war, denn Berliner Künstler gelangen hierher
sporadisch, bot eine gut gewählte Kollektion. Ungeachtet
des in seiner Stille zutreffenden Porträts
des Komponisten Ansorge trat es wieder zutage,
daß die Stärke von Corinths Begabung in der Darstellung
des nackten menschlichen Körpers liegt.
Gerät sein Farbenauftrag mitunter ins schmierig
Trübe, in dessen Chaos alle anderen Elemente zu
ersticken drohen, so entschädigt dafür der packend
persönliche Schmiß, das ungestüme Herausreißen
eines Augenblickseindrucks, wie z. B. bei einer karikierten
Boxerszene aus der Odyssee oder in dem
»Karussell«, wo der bewegteste Impressionismus
das letzte Wort hat. — Der Aquarellistenklub veranstaltet
seine 21. Ausstellung im Künstlerhaus.
Auch an ihm sind die Jahre, deren eingangs dieser
Zeilen gedacht wurde, nicht spurlos vorübergegangen,
das läßt schon das Plakat von Karpellus mit
seinem gewählten Flächenstil und den wohltuenden
Farben merken. Ueberwältigende Ausbrüche oder
Genieblitze sind freilich nicht zu beobachten, dafür
stößt man kaum mehr auf unreife Leistungen und
auf Fabrikware, die nur der Kameraderie ihre Aufnahme
verdankt; genug, daß Maler wie Darnaut,
Zoff, Robert Russ, um nur einige aus dem Gewimmel
zu nennen, sich auf der alten Höhe seit der
Gründung des Klubs behaupten. Das Ausland fällt
diesmal, außer durch Radierungen von Heroux
(Leipzig) und Rosenstaud (Berlin), nicht auf, macht
sich doch Oesterreich selbst nur in Wiener Künstlern
vernehmbar. Unter den einheimischen Graphikern
debütiert Stephanie Glax, die einen ganzen
Zyklus Algraphien »Abbazia« zusammenstellt;
Suppantschitsch, Wesemann und Pontini bewähren
sich neuerdings durch monochrome Radierungen
, in farbigen schildert Richard Kratky
Veduten vom Donaukanal. Wie denn überhaupt
unsere Kaiserstadt auf der Suche nach interessanten
Ausblicken oder heimlichen, verschollenen Winkeln
sehr fleißig durchstreift wird, z. B. von Wilt, Gause,
Czech, Graner. In der Mödlinger Gegend ist
Ferdinand Brunner zu Hause, wohl der feinste
und dabei aufs Weite gerichtete Lyriker unter den
Landschaftern, deren naturandächtigen Stimmungen
man sich gerne hingibt. k.
DERLIN. Keller & Reiner haben die durch den
Streit des Künstlers mit den Professoren und
dem Unterrichtsministerium zu so eigentümlicher
Berühmtheit gelangten Malereien Gustav Klimts
für die Aula der Wiener Universität ausgestellt und
ihren Einladungen eine Anzahl Preßstimmen und
Geleitworte beifügen zu müssen geglaubt, in denen
viel von »Freiheit der Kunst«, »Einsichtslosigkeit
des Publikums« usw. die Rede ist. Aber solche
Schlagworte treffen nicht den Kern der Frage, sondern
stellen sie recht eigentlich auf den Kopf. Ein
Künstler,derdie Bestellung auf Monumentalmalereien
für einen bestimmten Raum übernimmt, schafft keine
konstantin korowin die wirtin
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