Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 15. Band.1907
Seite: 288
(PDF, 164 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_15_1907/0348
VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN

s. sudbinin

kopf des christus, der
die händler vertreibt

freien Kunstwerke, sondern unterwirft sich einem
mehr oder minder eng umgrenzten Programm. Wer
die Darstellung der Fakultäten für eine Universität
wünscht, erwartet Bilder, die die Wissenschaften verherrlichen
und nicht solche, die — was man auch immer
sagen mag — dem unbefangenen Betrachter eher
als eine Darstellung der Ohnmacht alles Wissens
erscheinen. In der Philosophie sah ich, ehe ich die
Erklärung las, nicht den erkennenden Menschengeist,
der das Chaos zu durchdringen
strebt, sondern
einen Menschenknäuel,
der an dem Unerforschten
, Unerforschlichen
vorbei >klanglos ins Ungewisse
hinabfällt«. Ausser
Zweifel steht es natürlich
, daß man dann
schon die Skizzen ablehnen
mußte und mit
der Kritik nicht auf die
ausgeführten Werke warten
durfte. Ebenso haben
diese Bedenken nichts
mit dem rein künstlerischen
Werte der Bilder
zu tun, deren farbige Gesamterscheinung
einen
raffinierten, in unserer
Zeit nicht übertroffenen
Geschmack zeigen und
auch in Erfindung, Zeichnung
und Komposition
vieles Schöne enthalten.
— Cassirer ist es gelungen
, einen ganzen kleinen
Saal mit Bildern des 1886
verstorbenen, erst nach
seinem Tode zur Berühmtheit
gelangten Diaz-
schülers Monticelli zu

füllen, diesen kleinen Michael wrubel

Brillantfeuerwerken der Farbe, auf denen man
Bäume, Frauenleiber, kostbare Gewänder mehr ahnt
als sieht. Das daran anstoßende Zimmer enthält
eine Reihe Aquarelle von Paul Baum, in denen
sich die Absichten des Künstlers reiner und liebenswürdiger
aussprechen, als in seinen pointillistischen
Oelbildern; dergroßeSaal eineumfangreicheMüNCH-
Ausstellung, deren Zweck nicht recht ersichtlich ist,
da sie uns über den Künstler auch nicht das geringste
Neue sagt; das hinterste Zimmer die neuesten
Werke Louis Corinths. Nach den letzten Proben
seines Schaffens war man auf das Allerschlimmste
gefaßt und atmet deshalb beinah' erleichtert auf, daß
die Wirklichkeit hinter den Befürchtungen zurückbleibt
. Des Brutalen gibt es leider freilich auch hier
genug — man sehe nur das der Phantasie eines
Schlächtergesellen entsprungene Bild »Mars und
Venus«, bei dem einige Partien auch mit dem
Schlächtermesser aufgetragen zu sein scheinen, oder
die dicke Dirne, die ihr Strumpfband befestigt. Was
Corinth leisten könnte, wenn mehr Disziplin und
Empfindung seine Malerfaust leiteten, beweisen einige
Teile seines »Harem«. Ich wüßte kaum einen deutschen
Maler, der Brust- und Halspartien so gut, und
sicher keinen, der sie besser zu malen verstünde. -
Schulte hat einen Vorraum und einen ganzen großen
Saal mit Bildern und Studien von Joaquin Sorolla
vollgehängt, den ich — trotz Zuloaga — für den besten
lebenden Maler Spaniens halte. Trotz dieser enormen
Fülle handelt es sich nur um die Trümmer einer in
Paris veranstalteten, noch umfangreicheren Ausstellung
, aus der die Franzosen die Perlen herausgefischt
haben. Soll der Meister doch für eine Viertelmillion
verkauft haben. So kommt es, daß keins von den
lebensprühenden, aus Sonnenflecken und farbigen
Reflexen zusammengesetzten großen Bildern mit
Ochsengespannen, Trauben esern, Wäschebleicherinnen
usw. zu sehen war, mit denen er seinen Ruhm
begründet und befestigt hat. Das beste, was übrig
geblieben ist, sind einige Bildnisse, so das sehr

zwei heilige

288


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_15_1907/0348