Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 15. Band.1907
Seite: 302
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-^4£ö> PORTRÄTMINIATUREN

ster Kämpfe, fanatischer Bürgerkriege, Aufstände
und Religionsstreitigkeiten, die in
seinen Porträts auflebt — eine starke künstlerische
Auffassung, ein gewaltiger Ernst, im
kleinsten Räume auch die Größe eines
Großen, wie Oliver Cromwell, zu fassen,
das kennzeichnet Coopers Art. Mit Recht
sagt Walpole von diesem Künstler, er sei der
erste gewesen, der die Kraft und Freiheit
der Oelmalerei dem Miniaturporträt gegeben
habe. Sind solche Bilder, wie die hier gebrachten
, der Lucy Walter oder Oliver Crom-
wells wirklich in allerkleinstem Maßstab ausgeführt
? Was unser Feuerbach von der Monumentalmalerei
verlangte, daß sie auf kleinstem
Räume groß wirken müsse, gilt von Cooper.
In dem Sinne gilt er als der größte Miniaturmaler
Englands oder eines anderen Landes.
Leider teilte er Einseitigkeit mit so mancher
Größe. Nur der Kopf scheint ihn jeweils gefesselt
zu haben. Seine Zeichnung von Hals
und Schultern läßt meist viel zu wünschen
übrig — vielleicht versäumte er absichtlich,
die Wahrheit der Erfassung des Seelischen
und Geistigen im Menschen möglichst anziehend
zu gestalten. So erinnert er bleibend an die
Zeit der Puritaner — wie Lenbachs Art der
Vernachlässigung von Aeußerlichkeiten unsere
Epoche kennzeichnet, in der der Reiz des
Unvollendeten so auffallend hervortritt. Von
Cooper sind Porträts Karls IL, der Königin
Henriette Maria, John Miltons berühmt — von
seinem Leben aber wissen wir nur, daß er

JEAN GUERIN UNBEKANNTE DAME

R.COSWAY UNBEKANNTE DAME

ein Schüler seines Onkels Hoskins und lange
in Frankreich und Holland tätig war.

Auch Samuels Bruder Abraham Alexander
(1605—1660) wurde mit Recht ganz außerordentlich
geschätzt. Er übertrug die eigene
Kunst des Miniaturporträts besonders nach
Schweden und Dänemark. Sammlungen von
hervorragendem Ruf müssen Werke von ihm
besitzen. Im Schloß Rosenberg, in der Sammlung
des Marquis of Exeter, im Besitze
des Kaisers sind ganz wunderbare Porträts
seiner Hand. Die Liste seiner Bilder aufzuführen
, hieße fast die Liste der damaligen
Herrscher und der großen Persönlichkeiten
ihrer Höfe abschreiben. Auch Alexander
Coopers Pinselführung ist kräftig und zeigt
eminente Sicherheit der Erfassung und der
Technik.

Um die Kraft und Eigenart Samuel Coopers
richtig einzuschätzen, wird es gut sein, ihn
mit einem etwa gleichzeitig schaffenden Porträtmaler
„in little" zu vergleichen, z. B. mit
Peter Oliver (1601 —1660), der mit seiner
Familie Digby (s. Abb. S. 306) an Anton van
Dycks Auftreten und Ruhm in England seit
dem Jahre 1632 erinnert. Er kopiert Dyck,
wie andere ihn kopierten. Von Oliver sind
vorzügliche Miniaturen im Rijksmuseum zu
Amsterdam. Auch in der Kollektion der
Königin von Holland ist er gut vertreten.

Die große Beliebtheit van Dycks und die
wachsende Freude an feinen emaillierten Porträts
en miniature erklären sich vielleicht als
gegenseitige Helferund Förderer im Geschmack.

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