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-*^> PORTRÄTMINIATUREN *C^=^
R. COSTAY GRAF CARLISLE R. COSWAY ts ISABELLA MARQUISE
VON HETFORD « « «
— Zur Gruppe des Cooper, zur Geschmacksepoche
Anton van Dycks gehören u. a. Künstler
wie Natt. Dixon (s. Abb. S. 313), bekannt besonders
durch ein Porträt des Prinzen Rupp-
recht von der Pfalz, des erfinderischen Kavaliers
, W. Faisthorne (1616—1691), Th. Flat-
man (f 1688), John Hoskins (Lehrer Samuel
Coopers).
Etwas später als diese lebten j. Werner
(1637 — 1710) und C. F. Zincke (1684—1767).
Der Schweizer Werner wurde an den Hof
Ludwigs XIV. gezogen, ging, von Le Brun
angefeindet, nach Augsburg, Wien und starb
als königlich preußischer Akademiedirektor
(1696 - 1707) in Berlin. - - Unsere Abbildung
von Zinckes „Duchess of Buckingham" (S. 298)
mag nicht nur als vortreffliches Zeugnis der
Art dieses Künstlers,
noch mehr als Charakteristik
des Geschmacks
gelten, der noch zu Lebzeiten
Zinckes einem
wesentlich anderen
Schönheitsideal Platz
machen mußte. Zincke
war ein geborner Dresdner
, ging aber als etwa
Zwanzigjähriger nach
England und muß dort
rasch das erwartete
Glück gefunden haben.
Seine kleinen Werke
wurden mit 20—30
Guineen bezahlt — also
einer für 'die damaligen
Verhältnisse sehr hohen
SAMUEL SHELLEY
Summe. Das etwas Ungelenke seiner Zeichnung,
die Härte auch der Malerei dürften aber kaum
am Ende seines Lebens noch recht geschätzt
worden sein. Wenn wir lesen, daß sich
Zincke schon 1746 von seinem „Geschäft"
zurückzog, wegen beginnenden Augenleidens,
so kann der Gedanke einer beginnenden Mißachtung
seitens der Modernen seiner Zeit
kaum unterdrückt werden.
Der Künstler, der auf dem Gebiete der
Porträtminiatur nun der meist gefeierte wurde,
war Richard Cosway (1741 — 1821). Die
große Zahl von Abbildungen seiner Werke
(S. 299, 300, 302, 304, 307, 308, 310, 311, 312,
313, 314, 315) macht den Vergleich mit seinen
Vorgängern auf dem Gebiete recht leicht und
klar. Liegt nicht wie ein Siegeslächeln des
Künstlers selbst auf
all seinen Bildern der
gefeierten Schönen?
Mußte Cosway nicht
siegen bei solcher Gefälligkeit
nach einer
Epoche des kalten und
scharfen Betrachtens,
des ernsten Lebens und
ängstlich zurechtgerückten
Gebarens? Und
dieser Künstler war
einst ein Gassenjunge,
er starb aber als Dandy
und reicher Mann.
Zwei Dinge machten
ihn groß : die Technik
und die Art des Sehens
. Was Cooper für
DIE TOCHTER DES K.JONES
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