http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_15_1907/0413
HANS SCHWEGERLE
Frühjahr-Ausstellung der Miinchener Secession
GRABRELIEF
DIE FRÜHJAHR-AUSSTELLUNG DER MÜNCHENER SECESSION
Von Alfred Georg Hartmann
Die Produktion blüht. Der Ehrgeiz, die
Schranken der Abgestempelten zu durchbrechen
, ist auf dem höchsten Siedepunkt
angelangt. Nicht weniger als 1400 Arbeiten
waren diesmal von den „Kunsttransporteuren"
im Ausstellungsgebäude am Königsplatz abgegeben
worden. Und nur 289 Werke sahen
das Licht der Ausstellung, jenes beseeligende
Licht der Oeffentlichkeit, das um die Beschienenen
allezeit (man glaubt es wenigstens)
eine so nützliche Aureole webt. So wollte
es der Richterspruch der Juroren. Rund 300
stehen im Licht, 1100 im Schatten.
Diese 289 gutgeheißenen Werke wurden
in den wieder zur Verfügung stehenden elf
Sälen so verteilt, daß der alte Eindruck der
Frühjahr-Ausstellungen, eine arbeitsfrohe, natürliche
, jugendliche Frische, gewahrt blieb.
Man hat sich zwar von den alten protzigen
Tapeten immer noch nicht ganz lossagen
können. Aber das Arrangement verdient trotzdem
im allgemeinen unsere wärmste Zustimmung
. Warum man allerdings mit Hartnäckigkeit
an dem verfehlten Modus festhält, die
Kollektiv-Ausstellungen einzelner Maler getrennt
in verschiedenen Sälen unterzubringen,
ist nicht recht einleuchtend. Man hätte nicht
nur die Serie von Julius Exter (der das
ausdrücklich verlangt hat), sondern auch die
von Hermann Groeber, Theodor Hummel,
Phillipp Klein , Hans Reinhold Lichtenberger
u. a. zusammenhängend plazieren
sollen. Dieses Hängen nach vorwiegend dekorativen
Gesichtspunkten, wie es hier Gewohnheit
ist, ist veraltet, gehört also nicht
in den Rahmen der Secessions-Ausstellungen.
Sogenannte Sensationen fehlen in der Ausstellung
fast ganz. Das Natürliche füllt die
Wände. Wie immer an dieser Stelle sah die
Jury auch heuer wieder in erster Linie auf
Die Kunst für Alle XXII. 15. 1. Mai 1907.
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