Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 15. Band.1907
Seite: 354
(PDF, 164 MB)
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~*-?^> DIE KÜNSTLERISCHE KONZEPTION

Betrachten wir nun aber die Gebilde der
Phantasie selbst, so finden wir bei der Zergliederung
in ihre Elemente, selbst wenn wir
die wildesten Ausgeburten orientalischer Überschwenglichkeit
vornehmen, nichts, was nicht
durch sinnliche Wahrnehmung kennen gelernt
und im Gedächtnis aufbewahrt worden wäre.
Alles beschränkt sich auf Trennung bekannter
Vorstellungen und Kombination der Trennstücke
in veränderter Weise. Hat nun jemand
ein lebhaftes Vorstellungsvermögen, zugleich
einen feinen Sinn für das Schöne und ein
reiches und willigsich darbietendes Gedächtnismaterial
, worin besonders die schönen Elemente
reich vertreten sind, so wird es ihm
nicht schwer werden, durch Anlehnung an die
Natur, d. h. an gegebene Sinneswahrnehmungen
, Ausscheidung häßlicher und Einfügung
schöner und doch gegen die Wahrheit und
Einheit der dargestellten Idee nicht verstoßender
Elemente, künstlerisch zu schaffen. Z.B.:
Wenn jemand ein Porträt malt, so ist zunächst
die Wahrheit der Idee innegehalten,
wenn er die sich zufällig darbietende Ansicht
der Person kopiert. Dies wäre eine hand-

JULIUS EXTER AUS MEINEM GARTEN

Frühjahr-Ausstellung der Münchener Secession

354

Mutter noch nicht entzweiten Kinder einer
glücklicheren Natur nichts Auffallendes gehabt
haben mag, vielmehr so sehr als Bedingung
jedes Musenerzeugnisses angesehen wurde,
daß der enthusiastische Plato uns den Ausspruch
(Phädrus) hinterlassen hat: „Was ein
trefflicher Mann im göttlichen Wahnsinn, der
besser ist als nüchterne Besonnenheit, hervorbringt
, nämlich das Göttliche, daran die Seele
als an einem hellglänzenden Nachbild dasjenige
wiedererkennt, was sie in der Stunde
der Entzückung schaute, Gott nachwandelnd,
und welches schauend, sie notwendig mit Lust
und Liebe erfüllt." — „Nicht ein Uebel schlechthin
ist der Wahnsinn, sondern durch ihn kamen
die größten Güter über Hellas". Und
noch zu Ciceros Zeiten hieß dichterische Begeisterung
: furor poeticus. Selbst in einem
nüchterneren Verstandeszeitalter hat „des Dichters
Aug' in holdem Wahnsinn rollend" ein
Aehnlicheszum Ausdruckgebracht. In neuerer
Zeit hat besonders Shaftesbury auf die grundlegende
Bedeutung des Enthusiasmus für die
Entstehung alles Wahren, Großen und Schönen
mit Nachdruck hingewiesen.


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