Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 15. Band.1907
Seite: 370
(PDF, 164 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_15_1907/0440
-^£> ADOLF HOLZEL UND RUDOLF SCHRAMM-ZITTAU <^=^

Einflüsse ist den Münchener Malern von je
gefährlich geworden; aber das war dann meistens
ein anderer Vorgang als der, welcher
sich bei Holzel beobachten läßt. Sich die Art
eines andern aneignen und sich's dann mit
einem behaglichen Schlendern in ausgetretenen
Pfaden genügen lassen - davon ist bei
ihm nicht die Rede. Wenn bei Holzel ein
fremder Eindruck verarbeitet wird, bleibt das
Vorbild unmittelbar nur kurze Zeit wirksam,
und der Maler sucht bald in der eingeschlagenen
Richtung auf eigene Faust weiter. Ich
meine, Holzel ist in der Kunst ein einsamer,
einer von jenen allereinsamsten, die wohl die
Geselligkeit, den Anschluß an die anderen
suchen, aber sich dabei nie wohl fühlen und
bald wieder ihrer eigenen Wege gehen. Aus
seiner ersten Dachauer Zeit, die wohl ins
Ende der achtziger Jahre fällt, sind zahlreiche
Bilder erhalten, Arbeiten von einer herben,
hellen, rücksichtslosen Art, in denen er Liebermann
nicht nur im Stil nahe steht, sondern
auch im künstlerischen Wert. Vielleicht
ist unter diesen Bildern überhaupt das beste,
was Holzel geschaffen hat, wie z. B. der
„Klare Wintertag" der Galerie Thomas Knorr
in München. Schöner und wahrer ist die
kristallklare Reinheit eines heiteren Wintertages
überhaupt noch nicht gemalt worden,
und das Bild ist so froh und selbstsicher hingeschrieben
, wie von einem, der sich auf
voller Höhe fühlt und weiß, daß er nun den
rechten Ausdruck gefunden hat. In dieser
Richtung hätte Holzel seine „künstlerische
Karriere" machen können wenn man anders
jenes schöne Adjektivum mit diesem häßlichen
Haupt- und Fremdwort vereinigen darf.
Aber er hat nicht wollen. Oder er hat nicht
können. Aus seiner künstlerischen Gesinnung
heraus nicht können, die sich nicht bescheiden
, die immer wieder vorwärts will, die vielleicht
so vornehm ist, daß nichts sie so stutzig

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