Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 15. Band.1907
Seite: 516
(PDF, 164 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_15_1907/0600
-*-4s£> DIE SOMMER-AUSSTELLUNG DER MÜNCHENER SECESSION <^=v-

das stört nicht; das Ganze wirkt dadurch noch
mehr wie eine farbige Zeichnung, die es im
Grunde ja doch sein will.

Auch Max Slrvogt gibt uns auf seiner
Leinwand „Der Ritter und die Frauen" (Abb.
Jhrg. 1905/6, S. 139) eine Erzählung — ich
glaube eine Episode aus „Tausend und eine
Nacht" ; und wir werden dabei unwillkürlich
an jene kleinen farbenglühenden und lebensprühenden
Bilder, wie den „Ritter Blaubart"
oder „Joseph und der Engel" erinnert, mit
denen der Künstler die ersten Secessionsaus-
stellungen schmückte. Aber seitdem hat er
einen weiten Weg zurückgelegt. Was man
immer, und stets aufs neue, an Slevogt bewundern
muß, jene eigentlich nicht definierbare
Art des unmittelbaren, farbigen Sehens
und die Kunst, das so Gesehene in reinen
Tönen, gleichsam ganz objektiv, auf die Leinwand
zu bringen, daran darf man sich auch
hier freuen. Aber die Freude wird doch etwas
getrübt durch die nüchternen, herben Züge
der Darstellung, die in einem gewissen inneren
Widerspruch zu dem nach sinnlich heiterer,
blühender Schilderung verlangenden Stoff steht.

Schade, daß nicht noch irgend ein anderes
Bild Slevogts da ist, um zu zeigen, wie sehr
der Maler immer im Vorwärtsstreben und
Vorwärtskommen begriffen ist!

Geradezu glänzend läßt sich ein anderer ehemaliger
Münchner, der längst den weißen Kalkstaub
der Isarstadt von seinen Füßen geschüttelt
hat, Louis Corinth, durch seine
einzige Einsendung, das Porträt Konrad An-
sorges, vertreten (Abb. Jhrg. 1904/5, S. 30).
Wie der Künstler im weißen Flanellanzug
im sommerlich grünen Garten sitzt und mit
stoischer Gelassenheit den nicht ganz bequemen
Zustand des Gemaltwerdens trägt,
das ist rein als Malerei und als Charakterstudie
vortrefflich gegeben; und in der Vereinigung
dieser beiden Vorzüge liegt die Stärke
des Bildes, die es zu einem der besten der
Ausstellung macht. Mir wenigstens scheint,
daß z. B. Weisgerber's Porträt des Dichters
Ludwig Scharf diese so ungeheuer charakteristische
Erscheinung nicht mit dem höchsten
Grad lebendigen Erfassens wiedergibt; und
wenn das Corinthsche Werk auch nichts eigentlich
Reizvolles in Kolorit und Technik hat, so

rudolf riemerschmid

Sommer - Ausstellung der Münchener Secession

eva

516


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_15_1907/0600