Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 15. Band.1907
Seite: 547
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FARBIGKEIT DER PLASTIK <&^r

LUDWIG DETTMANN

Große Berliner Kunstausstellung

ABEND IM PARK

Bemalung aufzugeben und durch naturalistische
Mätzchen (der Technik) ersetzen zu
wollen, was man geopfert hatte. Das Einritzen
der Iris und der Augenbrauen: was
war das für ein Surrogat an Stelle
der Farbe, bei der selbst die symbolische
Wirkung ihren durch plastisch
-technische Mittel nie zu
erreichenden Wert besaß? Vielleicht
ging die Ueberlieferung der
Bemalungstechnik verloren und
die nachkommenden Künstlergeschlechter
hatten nicht die Lust,
sie wiederzuerobern; nicht die
Kraft, nicht den Drang dazu: nicht
jene Sinnenfreudigkeit der Griechen
mehr, die unbändig gewesen
war und realistisch genug, nicht nur
den Zweck zu wollen, sondern die
auch die dazu nötigen Mittel besaß.
Eintretendes Aesthetentum, das mit
dem Abnehmen der Sinnenkraft
Hand in Hand zu gehen pflegt,
konnte bereits die Farbe verbessert
, vergeistigt haben; wenn dann
als Gegenbild und Feind antiker
Weltanschauung eine asketische
sinnenfeindliche Bewegung aufkam
, mußte es ihr ein Leichtes

sein, mit der Farbigkeit als dem größten
Mittel und dem Ausdruck der Sinnenfreude
aufzuräumen. Zeitlich fiele denn auch das
völlige Aufgeben der Bemalung zusammen

SIGURD WANDEL G R U P P E N B I L D N I S

Verlag der Neuen Photograph. Gesellschaft, Berlin

547

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