Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 15. Band.1907
Seite: 553
(PDF, 164 MB)
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-*-^> FARBIGKEIT DER PLASTIK <ö^-

bleiben müsse um der angestrebten Wirkung
und ihres innersten Wesens willen. Ich will
hier nicht auf die Natur und den Menschen
exemplifizieren, um das Unlogische solcher
Forderung, das ohne weiteres einleuchtet, noch
genauer festzustellen. Was aber würde die
Malerei dazu sagen? Es geht nicht an, einzuwenden
, der Malerei sei die Farbe (und die
Farbigkeit) Mittel und Zweck; denn ein Karton
Lionardos oder Feuerbachs wirkt in Hinsicht
auf die künstlerische Absicht kaum
weniger bedeutend, als dessen farbige Ausführung
, das fertige Gemälde. (Wie auch die
Bedeutung einer Skulptur schon durch die
Form allein festgelegt werden kann.) Aber
man dürfte schließen : Brouwer und Grützner
mögen immerhin ihre Gestalten bunt darstellen
, aber beileibe nicht Michelangelo und
Hodler die ihren! Die müssen durch Kontur
und Licht und Schatten alles erschöpfend sagen!

Es ist bereits erwähnt, daß die Einfarbigkeit
ein Werk größer (räumlich größer!) erscheinen
läßt als die Polychromie, die es in
Teile zu zerlegen scheint. Und der optische
Eindruck ruft nicht selten dem seelischen, und

sie decken einander. Vielleicht entspringt
hieraus — dem Künstler unbewußt! der
Drang zur Einfarbigkeit. Und doch besteht
gegen keine Einfarbigkeit eine solche unein-
gestandene Voreingenommenheit wie gegen
das Weiß. Obwohl dieses optisch etwa die
bedeutendste räumliche Größe des Kunstwerks
vortrügen müßte. Spielt hier vielleicht doch
schon das Farbenempfinden des Bildhauers
mit, wäre es auch nur mit dem Gefühlsurteil:
Warm kalt? An dem rötlichen Ton einer
Terrakotte, dem gelbbraunen einer Holzskulptur
, dem schwarzen oder dem grünen einer
patinierten Bronze stoßen wir uns ungleich
weniger hart als an dem weißen des Marmors
oder des reinen Gipses. Es ist kein Zweifel,
daß hier bereits das Gemüt wertet und, indem
es sich vom Weißen, als etwas Kaltem zurückgestoßen
fühlt, zur Tönung des Gipses und
des Marmors drängt. Im Vergleich mit dem
frostigen Weiß der Karrarablöcke fühlen wir
schon von dem leichten Gelb, mit dem der
Hauch der Jahrhunderte die antiken Marmorwerke
getönt hat, eine sanfte Wärme ausgehen
. Wer etwa in der Münchner Glyptothek

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