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-**4s£> FARBIGKEIT DER PLASTIK -C^=^
die ungetönte Frauenbüste von Hermann Hahn
mit der graugelb getönten Lenbachbüste von
C. A. Bermann zusammenhielte, erkennte wohl
rasch, welcher von beiden er in Hinsicht auf
das Kolorit den Vorzug gäbe. Ich weiß nicht,
ob es bei diesem Werke Bermann nur um
das (in München so beliebte und vielgeübte!)
Archaisieren zu tun war; wäre es nur das,
niemand billigte es weniger als ich ; aber wahrscheinlich
war es doch schon ein erstes Farbig-
keitsempfinden des Künstlers, der über den
scharfen Unterschied zwischen Natur und
Kunstwerk nicht hinwegschreiten konnte. Leider
blieb er bei einem Kompromiß stehen,
das als solches wenig zu loben ist; denn es
ist nicht genug getan damit, daß er mit der
Tönung ein gewisses Alter auf das Kunstwerk
zaubert, wiewohl er ihm so zugleich eine Geschichte
gibt, die in uns ein Interesse erweckt.
Wenn auf diesem Wege der Gegenstand in
etwas unserem Gemüte genähert ist — und
das soll nicht bestritten sein —, so ließe sich
umgekehrt darausschließen, daß derunberührte
weiße Marmor uns nichts sage, uns nicht anspreche
, also keinen Emotionswert für uns
habe. Dies immer zugegeben, so muß doch
der Gefühlsgehalt in der plastischen Form
liegen und diese - - Silhouette und Plastizität
— allein das Seelische des Vorwurfs voll
ausschöpfen.
(Der Schluß folgt)
AUS BRIEFEN VON HANS VON MAREES
......Rom ist auch der Ort, wo ich mich selbst
doch am meisten fühle, denn hier ist mein Wesen
erst zu sich selbst gekommen und lernen kann hier
jeder; denn auch die Sitten, richtig gesehen, können
nur günstigen Einfluß haben, namentlich die der
Frauen. Ich freilich habe einige, nicht ganz mit
meinen übrigen harmonierende italienische Eigenschaften
angenommen, die man mir wohl wieder abgewöhnen
kann. —......
......Wer nach irgend etwas in der Welt strebt,
kann von Kleinigkeiten nur momentan befangen sein
und wird sie auch bei niemand anderem voraussetzen.
So wie man in der Kunst sich bemühen soll, die vorzüglichen
Seiten der Kunstwerke zu erkennen, anstatt
die mangelhaften, so soll man es im Leben auch
machen, im anderen Falle würde letzteres sehr freudlos
sein. Darum muß ich immer wiederholen, daß
ich selbst auf einen vollen Lebensgenuß sehr erpicht
bin und mich darum wohl befähigt fühle, auch anderen
darin etwas beizustehen und da muß es einen
natürlich betrüben, wenn man sieht, wie die meisten
dem momentanen Amüsement dauerndes Vergnügen,
Wohlbehagen und Glück ohne weiteres zum Opfer
bringen......
Mitgeteilt von Robert Graf in ,,Kunst und Künstler"
ANSELM SCHULTZBERG
VERSCHNEITE SENNHÜTTEN
Große Berliner Kunstausstellung
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