Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 15. Band.1907
Seite: 582
(PDF, 164 MB)
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-*«4^> VERMISCHTES - NEUE KUNSTLITERATUR <^-v-

SPANDAU. Professor Wilhelm Wandschneider
wurde mit der Ausführung des Denkmals, welches
hier dem Düppelstürmer Klinke errichtet werden
soll, betraut.

VERMISCHTES

HAMBURG. Im Februar d.J. hatte die Hamburg-
Amerika-Linie zur Erlangung von drei Entwürfen
für ein Plakat und ein Reklamebild eine Konkurrenz
mit Preisen zu 3000, 2000 und 1000 M. ausgeschrieben.
Die daraufhin eingegangenen 450 Entwürfe wurden
im Kunstgewerbehaus Hulbe ausgestellt. Im Preisausschreiben
waren Einhaltung einer begrenzten
Druckfläche, Einbeziehung einer Abbildung des
Dampfers »Fürst Bismarck« in die Zeichnung und
Raum für die Inschrift gefordert worden. Man wird
nicht fehl gehen, in diesen Forderungen einen erheblichen
Grund für das unerfreuliche Ergebnis des
Preisausschreibens zu erkennen. Witz und Geist
lassen sich nicht gerne eine Schnürbrust aufzwingen.
Unter den eingegangenen Entwürfen ist keiner, der
sich künstlerisch oder in der Idee über die längst
im Verkehr stehenden Dampfschiffreiseplakate erhöbe
. Das schwimmende oder in den Helgen hängende
Dampfschiff herrscht vor, nur vereinzelt findet sich
eine entsprechende Landschaft als Rahmen. Daß
die Preise auf lauter neue, der >Jungmoderne < an-
gehörige Männer entfallen sind — Guido Boy in
Hamburg, Wilhelm Wulff in Eddelsen, Atelier
Gustav Dören in Hamburg für Plakate; H. Rath
in Werder und Ulrich Hübner in Travemünde —
wäre sogar recht erfreulich, wenn ihre Arbeiten nur
nicht die Frage all zu nahe rückten, ja, warum diese
und nicht die anderen Arbeiten auch, die doch genau

franz cleve todeskuss

Münchener Jahresausstellung 1907

ebensoviel wert sind? So wie diese preisgekrönten
Arbeiten sind, können sie nach überallhin als Ankündigung
dienen. Und doch war in dem Preisausschreiben
ganz besonders daraufhingewiesen worden,
daß das Fahrziel des Dampfers »Fürst Bismarck«
»Kuba — Mexiko« berücksichtigt werden sollte. Das
haben m. E. sowohl die Wettwerbenden wie die Preisrichter
übersehen, und so hat man sich wieder einmal
eine gute Gelegenheit zur Einführung tüchtiger deutscher
Kunsterzeugnisse in der Fremde ungenutzt
durch die Finger gehen lassen. h.e.w.

NEUE KUNSTLITERATUR

Wilhelm Bode: Die italienischen Bronzestatuetten
der Renaissance. 2 Bände in je 5 Lieferungen
. Berlin 1907 (Bruno Cassirer). (Die ersten
3 Lieferungen liegen vor, jede M. 25.—.)

Der Wert des großangelegten, prachtvollen Tafelwerks
liegt besonders im mitgeteilten Stoff: Die
Kleinplastik der italienischen Renaissance war seit
Jahrhunderten das eigenste Gebiet der Sammler,
und noch heute ist sie viel mehr zerstreut in großen
und kleinen Sammlungen Europas als die Stein- und
Tonbildwerke der gleichen Epochen. Wer aber kennt
den Kunstmarkt und all die Schlupfwinkel des heutigen
Denkmälervorrats besser als Wilhelm Bode? —
Und da er nun, das ist das wichtigste, den großen,
nur ihm bekannten Stoff bereits gegliedert hat nach
Epochen, Schulen und Meistern, so treten Quattro-
und Cinquecento, die toskanische, lombardische und
venezianische Kunst als fest umschlossene Gruppen
vor uns hin. Und mancher Künstler, von dem bis heute
nur ein authentisches Werk bekannt gewesen, erhält
hypothetisch eine Anzahl nah verwandter zugewiesen.
In ihrer Gesamtheit aber geben diese ein Bild
von seiner Künstler-Eigenart. Schließlich, als
letztes sei es betont, die erhaltenen Kunstwerke
der Bronze-Kleinkunst sind Masse gegen Masse
genommen von höherer Qualität als Stein- und
Terrakottaplastik jener Jahre. Ich meine, das
wertvollere Material ist schuld daran. In kleinerem
Format hat man zudem manches interessante
Darstellungsproblem früher und kapriziöser
gelöst und manches Thema überhaupt
nur so versucht. Auch gibt's in der Renaissance
— wie zu allen Zeiten wirklicher Kunstblüte
— keine Grenze zwischen Kunst und
Kunstgewerbe: An die figürlichen Skulpturen
schließen sich phantastische Leuchterträger,
Türklopfer, Lampen, Glocken an. — Aus alledem
ergibt sich, daß uns die >Bronzestatuetten«
ganz neue Einblicke vermitteln, intime und
sehr erfreuliche, in die Kultur und Kunst der
Renaissance. In seiner schönen Ausstattung
aber ist das ganze Werk selbst ein modernes
Kunstwerk. f. s.

Julius M e i e r - G ra e f e, Corot und
Courbet. Ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte
der modernen Malerei
. Leipzig. Insel-Verlag. M. 8. — .

Schon wegen der in dem Buch behandelten
Künstler darf diese neue Publikation Meier-
Graefe's auf viele Freunde rechnen. Ueberdies
ist das Werk sehr reich illustriert und hat eine
so lobenswerte, buchtechnische Form, innen
und außen, daß man es wohl als ein erfreuliches
Zeichen künstlerischen Bedürfnisses und Genießens
ansehen könnte, wenn das Meier-
Graefe'sche Werk schon der künstlerischen Form
wegen vielfach begehrt würde. Der Inhalt des

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