Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 16. Band.1907
Seite: 27
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DIE DRITTE DEUTSCHE KUNSTGEWERBE-AUSSTELLUNG DRESDEN 1906

ungezwungener sein. Dagegen klingt der Aufsatz
des Brunnens selbst in einem märchenholden
Bronzeweibchen melodisch genug aus.

Als Paul Haustein vor drei Jahren nach
Darmstadt kam, fragte man sich wohl, wie
sein derbes Talent sich in Olbrichs Schatten
entwickeln werde. Alle Befürchtungen machte
dann sein Anteil an der Darmstädter Dreihäuser
-Ausstellung 1904 zunichte, und mit
herzlicher Freude konnte man die Tätigkeit
des jungen Neutöners besonders auf dem vielbebauten
und selten an guter Ernte reichen
Felde der Buchkunst verfolgen. Jetzt hat die
"Welle, die schon manche deutsche Stadt ihrer
Künstler beraubt hat, auch ihn ergriffen, und
heute muß er in Dresden schon als Stuttgarter
mit rubriziert werden. Die beiden
Räume, die er hier ausgestellt
hat, verzichten
auf eine deutliche Einheit
künstlerischer Gesamtstimmung
; der Akzent
liegt durchaus auf
den Möbeln als Einzelstücken
, für die Wand
und Decke nur den neutralen
Rahmen hergeben.
Am empfindlichsten
macht sich das in dem

Gesellschaftszimmer
geltend. Eine unglückliche
Bezeichnung übrigens
; denn etwas Ungeselligeres
als diese
weißen, mit derbem
braunen Leder bezogenen
Bänke mit den ungefügen
gebogenen Armlehnen
samt den massigen
Postamenten, die
an den Wänden entlang
gereiht sind, kann man
sich kaum vorstellen.
Dazu vernichten die Vitrinen
den letzten Rest
wohnlicher Stimmung.
Auch das Billardzimmer
ist inkeinerguten Stunde
geschaffen. Hier wie dort
fehlt die innere Verbindung
zwischen Möbeln
, Wand und Raum
wie den Möbeln unter
sich. Die Ledersessel
und -Sofas sind mit erdrückendem
Materialaufwand
hergestellt,ohne
dabei an einladender

Anmut zu gewinnen, und das Billard mit dem
spitzkantigen Kontur seiner Beine steht fremd
zwischen diesen breitspurigen Gesellen. Der
Wandstoff ist farbig zu bieder geworden; den
mondainen Ton, den wir doch in einem Billardzimmer
nicht entbehren mögen, schlagen
allein die ausgezeichnet knapp und stoffecht
gestalteten Rauchtische an. Erst in den Silberarbeiten
erreicht Haustein wieder das Niveau,
auf dem wir ihn zu sehen wünschen. Die
quellende und tropfende, rankende und rollende
Linie seines Ornamentes vermählt sich
hier wundervoll mit dem edlen Material. Eine
auf einem Spiegel stehende Schale kann als
ein interessanter Versuch bezeichnet werden;
vollendete Leistungen dagegen stellen eine
Jardiniere und vor allem eine Dose dar, diese

HANS VON HEI DER-STUTTGART « AUSFÜHRUNG DER GRANITSCHALE: SIEGELSCHE
GRAN IT WERKE, FRIEDENFELS ; DER KUNSTSTEINARBEITEN: E. SCH\VENK,ULM A.D.D.

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