Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 16. Band.1907
Seite: 40
(PDF, 139 MB)
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DRITTE DEUTSCHE KUNSTGEWERBE-AUSSTELLUNG DRESDEN 1906

wilhelm kreis-dresden pianino aus mahagoni mit farbigen einlagen

ausgeführt von urban & reisshauer, pianofortefabrik. dresden

zusammengesetzte Schreibtischgarnitur und
eine altvaterisch derbe Taufschale mit Kelch.
Erich Kleinhempel verziert eine hohe, schlank
in Silber getriebene Kanne undeinigeBechermit
den schmalen und kräftigen Facetten von Achatstein
. In Wilhelm Kreis' Blumenschale verleugnet
sich nicht der kräftige, großer Gebärde
zuneigende architektonische Geist ihres Schöpfers
, aber auch die Dekoration der zierlicheren
Glieder ist mit Liebe behandelt. Daneben erscheinen
Emil Lettres, Berlin, Dosen und
Schalen fast leblos und ausgeklügelt, und auch
das phantastische Drahtgerippe erringt selten
mehr als den Augenblickserfolg der Verblüffung.
Kurt Stövings Gläser schmiegen sich mit dem
weichen Fluß ihrer Konturen der Hand angenehm
ein. Etwas von der nervösen und empfindsamen
Anmut der mackintosh-Panneaus,
aber auch ein Tropfen von dem echt deutschen
Märchengrübeisinn der PANKOKschen Liniengewächse
lebt in den zartfarbigen Stickereien
von Mathilde Stegmayer, Darmstadt.

Der Einfluß Laliques, dessen seltsam
üppige, farbentrunkene Kunst mit ihren
Bouquets vonjuwelen, ihrem mystischen Reiz
farbig variierten Goldes, ihrem wilden Pathos
pflanzlicher und menschlicher Formen alle

Aestheten in die hellste Aufregung brachte,
zeigt seine Spuren auch jetzt noch in der
deutschen Goldschmiedekunst. Inden Arbeiten
Karl Rothmüllers, München, empfinden wir
ihn deutlich : da ist eine verwandte Neigung,
die Effekte raffiniert zu häufen, kleine Lichter
zu funkelnden Strophen edelsten Materialreizes
zusammenzuballen, unbekannten Schönheiten
fremder Linienmotive nachzuspüren.
Der Dresdner Ehrenlechner schlägt schlichtere
Wege ein, er hat Verständnis für die
Lyrik der festlich gesteigerten Frauenschönheit
und weiß auch die Akzente des anspruchsloseren
Alltagsschmuckes sinnvoll zu verteilen
.— Ein zierliches, etwas feminines Gartenzimmer
, mit Korbmöbeln von Julius Mosler,
hat Gertrud Lorenz mit wesensverwandten
Stickereien in allen Nuancen des Gelb ausgestattet
. Die Stickereien von Else Wislicenus
verraten ein äußerst schmiegsames Formtalent
und ein, der Wirkungen sicheres Farbengefühl.
Wilhelm Kreis versucht den Typus des
Pianinos einmal individuell neuzuschaffen, und
bleibt dabei gewiß interessant, wenn man auch
seinen Entwurf nicht als den inneren Zweck
des Instrumentes deutlich charakterisierend
wird bezeichnen können. Erich Haenel

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