Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 16. Band.1907
Seite: 49
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_16_1907/0061
PRO DOMO

Ich habe auf die Gelegenheit gewartet, mich
gegen die Vorwürfe verteidigen zu können,
die mir ein großer Teil der Kritik wegen
meiner in Dresden ausgestellten Museumshalle
gemacht hat. Diese Kritik hat in ihrer
Heftigkeit oft keine Grenzen gekannt. Ich
verdanke es der Bereitwilligkeit des Herausgebers
dieser Zeitschrift, daß ich an dieser
Stelle meine Erklärungen abgeben kann.

Ich werde den mir erwiesenen Dienst am
besten vergelten, wenn ich mich bemühe, den
Beweis zu liefern, daß diese Halle nicht unlogisch
in ihrer Konzeption ist, und daß sie
nicht gegen die Prinzipien verstößt, deren
eifrigster Vertreter ich bin.

Die Kritik gibt Anlaß zu denken, daß ich
Verrat übe an den Prinzipien, die ich als die
wahren verkünde. Daß ich das Publikum auf
diese Weiseüber mein ganzes Werk täusche, und
daß ich mich von Zeit zu Zeit des Knalleffekts
jener Prinzipien bediene, die von jedermann
ausgezeichnet gefunden werden — denen ich
mich aber als Letzter unterwerfen würde!

Das hieße also mit anderen Worten: Ich
verkündete, daß alles, was auf Architektur
Bezug hat, unbedingt logisch konzipiert sein
müsse, inWirklichkeit aberkonzipierteichselbst
nach den Einfällen der wildesten Phantasie.

Ich verkündete, daß der Grundcharakter des
neuen Stils darin bestände, den logischsten Ausdruck
alles dessen anzustreben, was im Bereiche
der Architektur und des Kunstgewerbes
liegt, und eben in dieser Logik den Sinn und
das Wesen einer neuen Schönheit zu finden;
in meinen eigenen Werken aber kümmerte ich
mich wenig um diese Logik und mißhandelte
sie vielmehr auf jämmerliche Weise. Mit
einem Wort: ich übte Verrat an dem neuen
Stil und an dem Programm, das mit meinem
Namen verknüpft sei.

Wenn die Kritik ein Werk als schön oder
häßlich hinstellt, so wird es keinem Menschen
einfallen^ von ihr deswegen Beweisgründe zu
verlangen. Das ist Geschmacksache. Jedermann
weiß es und legt deswegen nicht viel
Gewicht auf diese Art von Kritik. Es gehört
eine so große Ueberlegenheit dazu, öffentlich,
ohne jede weitere Angabe der Gründe versichern
zu können, ein Ding sei schön oder
häßlich, daß ich in meinem Leben nur ein
oder zwei Personen kennen gelernt habe, die
das Recht gehabt hätten, zu sagen: „Das ist
schön, weil ich es schön finde." Und gerade
diese Personen enthalten sich der Kritik.

Etwas anderes ist es, wenn die Kritik die
Logik einer Konstruktion oder das Wesen der

Dekorative Kunst. X. 2. November 1906.

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