Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 16. Band.1907
Seite: 94
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G. F. WATTS1 VORREDE ZUM „KUNSTHANDFERTIGKEITSUNTERRICHT"

Förderung der Kunst wären in jenen alten
Zeiten ebenso überflüssig gewesen, wie es
in unserer Zeit Tagungen wären, um der
Allgemeinheit die Vorteile des Geldgewinnens
einzuprägen.

Denken und Phantasie sind Gaben, die
der Mensch allein besitzt, und jeder Gegenstand
und jede natürliche Erscheinung, die
seinem Auge begegnen, werden auch imstande
sein, diese großen Anlagen dauernd zu stärken
, aber das Auge kann geschlossen sein,
die Fähigkeiten können unentwickelt bleiben
oder schließlich ganz verloren gehen. Als
Volk haben wir ja in geradezu befremdender
Weise das Vermögen zu beobachten und zu
schätzen eingebüßt. Es scheint, als wären
wir nicht mehr auf natürliche Weise imstande,
die Schönheit und das so köstlich sich einpassende
Wachstum rings um uns wahrzunehmen
, wie könnten wir uns sonst in unserem
täglichen Leben mit all dem Häßlichen und
Ordinären zufrieden geben, das sich da eingeschlichen
hat! Und doch können wir auf
keine Elle Rasens treten, ohne unseren Fuß
auf eine Fülle des Mannigfaltigen, des Schönen,
des Vollendeten zu setzen, wie sie das ganze
Menschengeschlecht seit Anbeginn nicht nachzuahmen
vermocht hat. Wenn des Menschen
Demut gegen die Lehre sich erheben sollte,
daß alles nur zu seinem Vergnügen erschaffen
sei, so wird andrerseits seine Gabe der
Phantasie sich gleicherweise gegen die Lehre
auflehnen, alles sei nur das Ergebnis blinden
Zufalls oder einer rein mechanischen Anordnung
; ein klein wenig Selbstgefühl stimmt
da sicher besser zu seinen besten menschlichen
Gefühlen und seinen höchsten menschlichen
Bedürfnissen.

Die Notwendigkeit, jedermann, wes Standes
er auch sei, mit der Schrift vertraut zu machen,
mit deren Hilfe der menschliche Gedanke vermittelt
wird, ist jetzt ganz allgemein anerkannt
. Das Ziel des Kunsthandfertigkeitsunterrichtes
nun ist das, das Buch der Natur
weit zu öffnen. Schon ein ganz klein wenig
Ausdeutung wird den Schüler instandsetzen,
der stummen und doch so beredten Sprache
zu lauschen. Der Knabe, der dazu angehalten
wird, einen natürlichen Gegenstand nachzubilden
, wird späterhin sein ganzes Leben hindurch
in diesem Gegenstand etwas sehen, das
für ihn bisher unbekannt und überhaupt nicht
vorhanden gewesen ist, und wird von nun an
die Zeit, mit der er früher nichts anzufangen
wußte — ein Zustand, der beständig Tausende
in die überfüllte Hauptstadt treibt — voll
von lusterregenden Eindrücken finden. Den
müden Arbeitsmann von seinem trübseligen
Wege täglicher mechanischer Arbeit in die
abseits liegenden Gärten zu geleiten, die geschlossenen
Augen einer Welt der Schönheit
und Lieblichkeit zu öffnen, wo jede Blume,
die da blüht, und jede Ranke, die sich in
die Höhe reckt, sich willig ihm zu Diensten
stellt und sein Freund wird das ist die
wahre Aufgabe des Kunsthandfertigkeitsunterrichtes
.

Liebe zur Natur und Verständnis und Hochschätzung
all der in ihr sich findenden Anmut
und tausenderlei Reize muß allen, denen
man gelehrt hat, danach Ausschau zu halten,
einen großen Teil der Vollkommenheit des
Lebens ausmachen. Und an dieser Vollkommenheit
sollte gemäß seinen, in ihm
liegenden Beschränkungen ein jeder Anteil
haben so gut wie am täglichen Brot, allen
sollte sie gemein sein wie die Luft, die wir
täglich atmen. Indem wir uns bemühen, dies
zustande" zu bringen, geben wir unserem eignen
Leben den besten Inhalt. Hunger nach
Bruderschaft liegt all der Unruhe unserer
modernen Zivilisation zugrunde."

FACHSCHULE
FÜR METALLINDUSTRIE
ISERLOHN

MESSINGLEUCHTER
(SCHÜLERARBEITEN
)

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