Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 16. Band.1907
Seite: 105
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-*»4^> EMANUEL SEIDL-MÜNCHEN

wohl alles niedergelegt und zu möglichster
Vollendung gestaltet, was er an Kenntnissen
von moderner Wohnungskultur besaß, und hat
seine schöpferische Sorgfalt auch auf die weiten
phantasiereichen Gartenanlagen ausgedehnt,
es entstand ein buen retiro, wie es sich
eigentlich nur der schaffende Künstler selbst
leisten kann. Von seinen vielen weiteren
Münchner Bauten seien hervorgehoben die
Gemäldegalerie Heinemann, eine Arbeit, bei
der es sich darum handelte, einen Hausstock
von drei Fassaden, von denen eine schon
gegeben war, zu einem harmonischen Ganzen
zu vereinen. Ohne großen Aufwand wurde
hier eine bewundernswerte Vornehmheit erreicht
und trotz der Verschiedenheit der einzelnen
Architekturen bis ins kleinste Detail
eine vollkommene Harmonie. Auch die reizvolle
koloristische Wirkung dieser Häuser ist
bemerkenswert. Besonders dankbar war die
Aufgabe, welche dem Künstler der Bau eines
Gesellschaftshauses für den Klub „Colleg"
in Nürnberg stellte, und sie wurde auch entsprechend
reizvoll gelöst. Eine eingehende

Aufzählung von Emanuel Seidls neueren
Arbeiten ist aus räumlichen Gründen hier
nicht tunlich, nur einiges kann aus der
Fülle hervorgehoben werden, so der gewaltige
Umbau des Schlosses in Sigmaringen für den
Fürsten von Hohenzollern, ein Schloß für
Geheimrat Oppenheim in der Mark Brandenburg
, die Villen Lautenbacher in Schwabing,
Pfaff in Kaiserslautern, Dr. v. Martius in
Reichenhall, andere Villen am Starnbergersee,
Tegernsee, Simmsee, in Berchtesgaden, Partenkirchen
, Garmisch, vornehme Wohnhäuser
in Nürnberg, Leipzig, Offizierskasinos in München
, Landshut, Dieuze und Saargemünd, ein
kleiner Teil von dem, was der fruchtbare,
phantasiereiche Künstler schon geschaffen oder
eben in Arbeit hat! Wenn man die Liste
seiner Arbeiten überschaut, so muß man sich
mit Recht wundern über eine solche Produktion
innerhalb von noch nicht 20 Jahren und
über die Möglichkeit, daß sich Emanuel Seidl
dabei weder wiederholt noch ausgeschrieben
hat, sondern immer neue Lösungen findet.

Fritz v. Ostini

Dekorative Kunst. x. 3. Dezember 1906.

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M


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