Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 16. Band.1907
Seite: 126
(PDF, 139 MB)
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WERKSTÄTTEN FÜR DEUTSCHEN HAUSRAT, THEO PH IL MÜLLER, DRESDEN

margarete junge-dresden « schlafzimmer aus gebeiztem kiefernholz mit handgearbeiteten messingbeschlägen
« ausführ.: werkstätten für deutschen hausrat, theophil müller, dresden (preis 490 m.)

BILLIGE MÖBEL DER WERKSTÄTTEN FÜR DEUTSCHEN HAUSRAT,

THEOPHIL MÜLLER, DRESDEN

p\ie Forderung nach dem anständigen Möbel für
**** den einfachen Mann ist auch in der Dresdner Ausstellung
nach dem Urteil vieler nicht in dem Umfange
befriedigt worden, als mancher wohl gehofft
hatte. Die individuelle Zimmereinrichtung beherrschte
das Feld; Versuche wie die des Leipziger
Künstlerbundes, die Maschinenmöbel Riemerschmids
wurden zwar hoch bewertet, vermochten aber den
Gesamteindruck der modernen Raumkunst als einer
von wenigen für wenige geschaffenen Kultur nicht
überall mit Nachdruck zu beeinflussen. Gerade an
dieserStelle ist es oftgenug betont worden, wie wichtig
jedes Bemühen ist, die Magazinware nicht allein durch
Qualität, wo der Sieg ja nicht schwer ist. sondern durch
gleiche Kostenberechnung zu verdrängen. Es mag
noch lange dauern, ehe auch der Unbemittelte gelernt
hat, daß es rationeller ist, solide Ware zu kaufen
statt der unsoliden, daß ein gutes Möbel stets billiger
ist als ein mangelhaft gearbeitetes. Von den Erwägungen
, die in der Erziehung unseres Volkes zu solider
und geschmackvoller Arbeit eine moralische
Entwicklung mit unabsehbaren weltwirtschaftlichen
Konsequenzen begrüßen, soll dabei ganz geschwiegen
werden. Die Werkstätten für deutschen Hausrat von
Th. Müller, Dresden, haben sich von jeher in ihren
Arbeiten jene mittlere Linie einzuhalten bestrebt,
auf der auch der Gebildete mit 2000-3000 M. Einkommen
zu einer erfreulichen Wohnungseinrichtung
gelangen kann. Die bewährten Künstler der Werkstätten
, Gertrud Kleinhempel, Margarete
Junge und M. A. Nicolai sind in jahrelanger ernsthafter
Arbeit mit den Stoffen wie mit den Ansprüchen
eines Haushaltes von 3 bis 4 Zimmern genau vertraut
geworden. Nicolai trifft in seinem Wohn- und
Speisezimmer den naiven und gesunden Ton, den
wir hier wünschen, am sichersten. In dem Schlafzimmer
M. Junges wäre eine hellere Gesamttönung
vielleicht des Beifalls der meisten Käufer sicherer.
Der Tisch in G. Kleinhempels Herrenzimmer mag
als Repositorium praktisch sein, ein Daransitzen verhindert
die untere Platte. Die Kästen des Schreibtisches
stehen vernünftigerweise glatt auf dem Boden.
Am wenigsten ist das Damenzimmer derselben Künstlerin
gelungen. Die vielfach verwendeten gedrehten
Stäbe machen die Möbel unruhig; der Umriß der
Verglasung in den Schranktüren bringt ein neues
und nicht sehr sympathisches Motiv in das lineare
Gefüge des Raums. Es wäre ganz falsch von unseren
Künstlern, wollten sie eine Aufgabe wie die hier vorliegende
leicht nehmen. Es ist weit müheloser, einen
stimmungsvollen Wohnraum mit den reichsten formalen
Mitteln durchzubilden, als im Rahmen so bescheidener
Bedürfnisse etwas Ansprechendes und
Brauchbares herzustellen. Gerade die vielen Entgleisungen
, die hierbei vorkommen, beweisen, wie
notwendig es ist, dies Problem in den Mittelpunkt
des weiteren Schaffens zu rücken. Wieviel Arbeit
dabei die Maschine der Hand abnehmen kann, bleibt
einer technischen Entwicklung vorbehalten, die auch
der Künstler mit Aufmerksamkeit verfolgen muß,
wenn er wirklich eine Neugeburt unserer Wohnungskunst
als Ziel seiner Tätigkeit vor Augen hat. e. h.

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