Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 16. Band.1907
Seite: 130
(PDF, 139 MB)
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-^=4^> DAS RUDOLF VIRCHOW-KRANKENHAUS <^=^

ALLEE MIT BLICK AUF DEN HAUPTBAU

Allee sieht man die intim gestalteten Eingänge
zu den einzelnen Häusern: Stufen, die
seitlich hinanführen, vor dem Portal sich
einen. Ein einfaches und doch zierliches Gitter
dient als Geländer. Ueber dem schmalen Holzportal
in Grau mit durchbrochenem Gitterwerk
im oberen Teil, seitlich eine bronzene
Laterne. So sieht man bis zum Ende der
Allee diese intimen Zugänge sich aufeinander
folgen, und die Tatsache, daß die Wiederholung
gerade den feinen Charakter verstärkt,
zeugt für die solide Schönheit, die der Künstler
den Formen gegeben hat.

Auf der einen Seite liegen die Pavillons
für die chirurgischen Krankheiten, auf der
anderen Seite die für innere Krankheiten.
Die mittlere Querachse, die rechtwinklig die
Längsachse schneidet, trennt die Männer-
von der Frauenseite. Am Eingang liegt das
mehrstöckige Hauptgebäude. Am Ende der
Längsallee befindet sich, entfernt also von
den Krankenpavillons, das Leichenhaus und
der sich anschließende Kapellenbau, zu dem
von der Straße aus eine mit Trauerweiden
bepflanzte, sanft ansteigende Allee hinanführt
. Rechts und links von diesem eigentlichen
Mittelteil sind auf dem übrig bleibenden
Gelände die anderen Gebäude zweckmäßig
, je nach ihrer Bestimmung verteilt:
das Badhaus, die Apotheke, das Operationshaus
, das Röntgenhaus.

Das Eigentümlich-Schöne der Anlage
abgesehen von der unbedingten Zweckmäßigkeit
, die sich überall zeigt, — ist, daß hier
Architektur und Garten so fein miteinander
verbunden sind, daß nirgends eine trennende
Schranke existiert. Die Kranken treten aus
ihren Pavillons heraus auf eine große Plattform
zu ebener Erde, die von grünen Flecken
umschlossen ist, sie sind im Freien. Denn
Gartenanlagen sind überall so reich verteilt,
daß man meint, in einer modernen Gartenstadt
und nicht in einem Krankenhaus zu sein.

Die Fassaden sind grauweiß, die Türen
lichtgrau, die breiten Dächer hellrot, die
Fensterumrahmungen weiß. Dies ist der
farbige Eindruck: grau, weiß, rot, alles in
hellen Nuancen. Ein lichtes, freundliches
Farbenspiel, dem das Grün der Anlagen sich
harmonisch einfügt.

Doch ist das Intime nie bis zu der Grenze
geführt, wo es, allzu aufdringlich, kleinlich
wird, und ebenso wird das Sachliche in der
Außenarchitektur nie nüchtern.

Im Innern herrscht dieselbe Harmonie.
Jeder überflüssige Schmuck fehlt, so daß der
Architekt, dessen Aufgabe es ist, Raumverhältnisse
rein und wohlabgewogen zu geben,
hier seine Fähigkeiten zeigen kann. Kein
Vortäuschen, kein Blenden. Nur Mauern,
Wände, Türen, Gänge. Kein Schmuck. Aber
in den Verhältnissen liegt die Schönheit:

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