Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 16. Band.1907
Seite: 132
(PDF, 139 MB)
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^£sS> DAS RUDOLF VIRCHOW-KRANKENHAUS

LUDWIG HOFFMANN-BERLIN

HAUPTTORHAUS MIT HAUPTBAU

wie solch ein gewölbeartig gebauter, weiß getünchter
Flur in hallenartiger Rundung sich
hinzieht; hie und da ein gleichmäßiger Einschnitt
, eine schmale graue Tür. Auf der
weißen Wand die Uhr in grauem Gehäuse,
ganz einfach, ein viereckiger Kasten, mit
schrägen Stützen, ohne jeden, auch den
kleinsten Schnörkel, ganz glatt. Die elektrischen
Birnen hängen an ihren Schnüren einfach
herab, oben an der Decke ist ein kleiner
Blumenkranz um die Befestigung gemalt.

Alle Möbel, die Stühle, die Schemel, die
Schränke, die Tische haben einfachste Form.
Mit der grauen Farbe fügen sie sich fein im
Raum ein. Die Stühle namentlich haben eine
äußerst ansprechende, solide Form.

Daß aber dieser Architekt neben dem Intimen
und Sachlichen auch das Imponierende
beherrscht, zeigt er in dem grandiosen Wasserturm
, der den Mittelpunkt der Wirtschaftsabteilung
bildet, dessen gedrungene, massige
Form sich unwillkürlich bleibend einprägt.

Es seien noch folgende Einzelheiten erwähnt
, die von der Ausdehnung des Komplexes
einen Begriff geben können. Die
Größe des Geländes beträgt 257 000 qm,
57 Einzelbauten, durchwegs eingeschossig, soweit
die Krankenpavillons in Betracht kommen,
wurden in der Zeit von 7'/2 Jahren gebaut.

Zu allererst wurde (1899) die Allee angepflanzt
. Die Baukosten betragen mit Inventar
19 068 000 M., das sind für jedes Bett 9534 M.
Die Anstalt wird einschließlich des Personals
etwa 2800 Menschen aufnehmen. Sämtliche
Häuser sind nach der Sonnenseite gerichtet.
Die großen Säle haben durchweg zweiseitige
Beleuchtung. Die Kranken haben überall
den Blick ins Grüne. Blumentische stehen
in allen Krankensälen, auch in den Eßräumen.

Will man sich ganz zurückziehen, so geht
man in den kleinen Park, dessen Rasenflächen
mit Bäumen in zwangloser Ordnung
bepflanzt sind. Das Gelände hebt und senkt
sich, dem Auge Abwechslung bietend. Nichts
ist hier von den Häusern zu sehen. Die
Einfriedungsmauer verschwindet unter den
Hecken und Sträuchern. Von drüben grüßen
die hohen Wipfel der Waldungen der Jungfernheide
, die bestimmungsgemäß nicht abgeholzt
werden dürfen, damit selbst wenn Berlin
diesen Komplex durch Bebauung allmählich
einschließt, immer für gute Luft gesorgt ist.

So glaubt man hier ganz im Freien zu
sein, und nur die Schönheit der Anlage mahnt
an die sorgliche Hand des Gärtners. Rosensträucher
umsäumen einen kleinen Weg, der
in sanftem Bogen hinanführt zu einem von
Bänken umstandenen Rondell, das von wilden

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