http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_16_1907/0164
DIE DIELE
der Responsion auf diese Grundform haben alle Raumformen ihre lautere Durchsichtigkeit,
ihre reine Schwebung. In allen Teilen lebt die gemeinsame Formzelle, die zugleich den
großen peripheren Kontur bedeutet. So wird das Gesetz der Harmonie, die Wiederholung
der Hauptform in den Teilen, elementar, aber aufs reinste erfüllt. Das großzügigste Beispiel
dieser Gestaltung des Raumvolums nach kubischer Form und rein proportionalen Verhältnissen
gibt der Musiksaal in Dresden. Die Raumteilung ist in großer fühlbarer Ordnung:
von fünf oblongen Raumgängen, jeder an der Stirn durch die Tür zum Hof bezeichnet, sind
die drei mittleren unter tonnenförmiger Wölbung zur Einheit eines zentralen Saales zusammengefaßt
, die seitlichen zu Nebengängen individualisiert. Die formale Gleichbehandlung
läßt die Proportionalität um so stärker empfinden. Der umlaufende Architrav faßt sowohl
den Hauptraum als die Nebenräume in straffem Rahmen zusammen und gibt das weitgespannte
Maß für Raumgestalt und Formanalogie. Die Flügelnische zeigt mit fünf pilaster-
artigen Wandstreifen die verkleinerte Wiederkehr der Türordnung. Die klare Volumquadratur
ist auch im Hof sehr fühlbar gemacht, vor allem durch den umlaufenden Sockel und die
Säulenreihe, die gemeinsam die Umgänge vom Binnenhof räumlich sondern, dann durch die
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