http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_16_1907/0171
DAS EMPFANGSZIMMER
stufen und die Gliederungen der Möbel damit in höchster Ruhe und Wohlordnung dem Raum
eingefügt sind. Bis in die Intarsiierung der Möbel greift diese Gesetzmäßigkeit, ihre Ornamentik
ist Reflex von Beziehungen zum Raum. Ins Große geht dieser Horizontalismus in
der Schichtung wuchtiger Zonen von Räumen und Formen im Hof. Ins Mächtige gesteigert
ist im Tonhaus diese Umgürtung des Raumes durch die gewaltige Horizontale, die von den
Emporen zum ornamentalen Metopenband der Apsis hinüberschwingt. Ein letztes Mittel des
Raumausdrucks ist die wundervolle Ornamentik des Künstlers, die ihm die feinsten Träger
seiner Raummathematik darbietet. Im Linearspiel dieser Bänder und Flächen sind Mikrokosmen
architektonischen Bewegungsausdrucks geschaffen, in dem die Raumaktion in graziöser
Leichtigkeit dem Auge ausschwingt. Höchster Klarsinn für ornamentale Psychologie der
Farbe steigert die lineare Bewegung zu ziervollster Vibration. Und zwischen das Spiel der
retardierenden Spiralen der Pilasterstreifen und der im Wellenschlag umlaufenden Horizontalbänder
bringen die Säume immer wieder rhythmische Raummaße kleinster Ordnung, gleichsam
die letzten Einheiten der Rechnung optisch versinnlichend. Der Empfangssaal dankt die feinsten
Accente seiner Schönheit diesen espritvollen Schöpfungen. Mit konzentrierterer Energie tritt
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