http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_16_1907/0177
PAVILLON DER DELMENHORSTER LINOLEUM-FABRIK
geordneter Farbigkeit; ein hohes Milieugefühl wird erweckt. Der Empfangsraum in seiner
hellen Eleganz, der strengen Vertikalität seiner Gliederung steigert das Gefühl zur Stimmung
einer bewegten Erwartung, zu festlicher Sammlung, Musiksaal und Hof geben Kulmination
und Ausklang des Erlebens.
So sind Raumgebilden psychische Stimmungen als Möglichkeit des Erlebens, als
architektonisch prästabilierte seelische Harmonien eingeformt. Eine dramatische Folge
der Raumwerte, eine Stimmungsordnung ist gegeben, die seelische Zusammenschließung
innerlich Vereinigter vollendet sich durch die Macht des Raumgefühls.
Im Tonhaus zu Köln ist die Raumdramatik noch mächtiger durch den Rhythmus gestalteter
Sphären des eines Raumes, die Steigerung der Dynamik vom Saal zum Tonquellraum
und zur schönheitsvollen optischen Resonanz der Apsis gewonnen. Formale Vergeistigung
der Raumaktion erwirkt weihevolles Raumerlebnis, das im Goldschimmer des Mosaik und
der feierlichen Gebärden der Bildgestalten ausschwingt zum Farbig-Geistigen, zum Symbol.
Die Aufgaben, die Monumentale Optik stellt, konnte der Künstler an dem Freibau
des Tonhauses gestaltend ergreifen. Die formvolle Lösung, die er gab, hat dem Bau
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