Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 16. Band.1907
Seite: 166
(PDF, 139 MB)
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DIE MITARBEIT DER INDUSTRIE

Der große Erfolg, den die deutsche künstlerische und industrielle Arbeit auf der Dresdner
Ausstellung errang, beruhte in hohem Maße auf dem organischen Zusammenwirken der
künstlerischen Initiative mit der Leistungsfähigkeit und der Opferwilligkeit einer Industrie,
die sich weitblickend dem von der modernen Entwicklung geforderten Einstrom künstlerischer
Impulse in die technische Produktion nicht entzog, um damit der deutschen Arbeit zukunftsvolle
Bahnen zu eröffnen. So ist es Pflicht, der industriellen Mitarbeit auch bei den vorgeführten
Werken zu gedenken.

Der Fußbodenbelag sämtlicher Räume entstammt der Delmenhorster Linoleumfabrik
Ankermarke, Delmenhorst. Der Musiksaal zeigt ungemusterten grünen Belag. Im Empfangssaal
war ein Dreieckmuster in blaugrau und gelb von großer flächiger Energie verwandt.
Die* Diele zeigte ein Tiermuster, das eine harmonisch bewegte Fläche ergibt. Die Farbe,
graublau auf dunkelgrün, verbindet Grund, Tierbilder und Ranken in diskretem Kontrast.
Intarsiawirkung ward erstrebt, die der Herstellungstechnik — der Name Inlaid-Linoleum
bezeichnet sie — künstlerisch entspricht. (Gesamtansicht, Seite 162, Detail, Seite 151.) Es
ist besonders dankenswert, daß die Firma sich der Herstellung einfachster Muster nicht
entzog, die der künstlerischen Architektur besonders dienen, deren wahre Wirkung aber in
der Probe und somit im geschäftlichen Verkehr nicht hervortritt, wie vor allem bei dem
Dreieckmuster des Empfangssaals. Das Innere des für die Firma errichteten Pavillons
(vgl. Seite 160 u. 161) war Ausstellungsraum ihrer Linkrusta- und Linoleummuster, die hier
in einer für derartiges vorbildlichen, würdigen Art angeordnet waren. Dieser vornehmen
Ausstellung entsprechen die Prinzipien bei der Herstellung der Fabrikate.

Im Musiksaal (vgl. Seite 138 u. 139) wurde die Bemalung der Pfeiler, der Wände und
der Tonne in Richardschen Kaseinfarben von der Firma Karl Salomon in Elberfeld ausgeführt
. Die Fensteröffnungen der vergoldeten Flügelnische (vgl. Seite 140) sind mit Platten
von dünn geschliffenem, durchsichtigem Marmor ausgesetzt. Die Herstellung besorgte die
Firma Opderbecke & Neese, Düsseldorf, die damit an der Neubelebung eines alten künstlerischen
Wirkungsmittels der Architektur mithalf. Alle Holzarbeiten des Raumes, Sofa,
Tischchen und Notenständer sind von der Hofmöbelfabrik H. Pallenberg, Köln, ausgeführt.
Die Spiegelscheiben über den Wandsofas in Schwarzglas stellte W. Steenebrücke & Co.
in Ratingen her. Der große Konzertflügel wurde von Rudolf Ibach Sohn, Barmen,
in Nußbaum mit Palisandereinlagen hergestellt. Die Innenseite des Deckels wurde ebenfalls
intarsiiert, in gleichem Muster, aber in Umkehr der Farbenwirkung (vgl. Seite 140 u. 141).
Der keramische Hof (vgl. Seite 142—144), dessen Malerei sich dem Innern des Musiksaales
künstlerisch anschließt, wurde in wetterfesten Kaseinfarben von Karl Salomon, Elberfeld,
ausgeführt. Die Wandelgänge zeigen in architektonischer Verwendung eine Ausstellung von
keramischen Platten der Sinziger Mosaikplatten- und Tonwarenfabrik, A.-G., Sinzig.
Die Abbildungen der Seite 145 geben Detailansichten des Plattenbelags. Alle Muster sind
in den Farben weiß und schwarz gehalten. In den Einzelfeldern, die sich durch die Kreuzgangform
des Hofes ergaben, wurden in architektonischer Anordnung jedesmal verschiedene
Muster verwendet. Die Plattenverkleidung der Brüstung zeigt braune Färbung in Scharffeuerglasur
. Die beiden Vasen auf der Brüstung sind Arbeiten der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule
, in Zusammenarbeit mit der keramischen Fachschule Höhr in Scharffeuerglasur hergestellt
. Die Diele (Seite 146 und 147) erhielt eine Wandverkleidung aus Kunstmarmor,
die von der Düsseldorfer Firma Hilarius Thelen geliefert wurde. Der untere Teil der
Wände zeigt grüne Platten, der Kamin roten Marmorbelag, der von dunklen Tuffsteinrahmen
gehalten wird. Die braunen Ledermöbel (Seite 148 und 149) sind von der Firma Alfred
Bühler, Stuttgart, ausgeführt. Der dunkelrot und goldgelb in Wolle und Seide ausgeführte
Vorhangstoff (Seite 150) wurde von der Weberei Wilhelm Vogel, Chemnitz, geliefert.

Das Empfangszimmer (Seite 152 und 153) zeigt eine neue Art architektonischer Gliederung
durch Tapetenmuster. Die Firma E. Iven & Sohn, Hamburg, hat die Herstellung einer
Tapete unternommen, die moderner Anschauung entsprechend, nicht Nachahmung von Stoffweberei
ist, wie die üblichen Tapeten, sondern den Charakter der Tapete als eines aufheftbaren
Materials künstlerisch-logisch zum Ausdruck bringt. Die Decke (Seite 156), ausgeführt
von Albert Lauermann, G. m. b. H., Detmold, zeigt zwei verschiedene Muster,
die aus Einzelstücken zusammengefügt sind. Für die Firma wurde eine Anzahl solcher
Muster entworfen, die es ermöglichen, durch Zusammenfügen gegebener Teile Decken,

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