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H. E. VON BERLEPSCH-VA LEN DAS: EIN NEUER BODENSEEDAMPFER
H. E. VON BERLEPSCH-VALENDAS, PLANEGG-MUNCHEN
BODENSEEDAMPFER „RHEIN": HECKPARTIE
EIN NEUER BODENSEEDAMPFER
Er heißt „Rhein" und wurde in der vortrefflich
eingerichteten schweizerischen Werft
zu Romanshorn während der ersten acht
Monate des Jahres 1906 auf Bestellung der
schweizerischen Bundesbahnen durch die weltbekannte
Firma Escher Wysz & Co. in Zürich
in den konstruktiven Teilen ausgeführt. Die
Behandlung aller in Frage kommenden dekorativen
Arbeiten, wurde, soweit bei Ueber-
nahme des Auftrages nicht schon analog zu
früher entstandenen Schweizer Dampfern gehaltene
Teile vorhanden waren (z. B. Deckmöbel
, Verschalung der Wände in der Kajüte
II. Klasse und Möbel in diesem Räume), mir
übertragen. Ich hatte mich durchweg an gegebene
Verhältnisse anzuschließen und wurde
verpflichtet, allen sachlichen Vorkehrungen der
Schiffsbau-Ingenieure konform zu verfahren.
Die Aufgabe unterscheidet sich von Einbauten
in feststehende Architekturen dadurch ganz
wesentlich, daß gegebenen Falls alle konstruktiven
Teile des Schiffskörpers bloßgelegt, verkleidende
Flächen mithin so eingepaßt werden
müssen, daß sie ohne Schwierigkeiten weggenommen
und wieder an ihren Platz versetzt
werden können. Es gibt in diesem Falle
kein „Abreißen", vielmehr handelt es sich
um die Möglichkeit eines „Auseinandernehmens
". Die Gesamtlänge des Schiffes beträgt
57 m, die Breite, über die Radkasten
gemessen, 13 m, der Tiefgang bei einer Belastung
mit 750 Passagieren und Frachtladung
1,50 m. Die normale Fahrgeschwindigkeit
für die Stunde ist 26 km. Die Natur des
Gewässers, dessen Niveau außerordentlich
starken Schwankungen unterworfen ist, erlaubt
keinen starken Tiefgang, mithin auch nicht
die Anwendung der Schraube als Fortbewegungsmittel
, vielmehr ist noch immer das
nicht sehr tief eintauchende Schaufelrad der
Fortbewegungsmechanismus. Dadurch wird die
Schiffsform im wesentlichen bedingt. Ein
starkes Aufragen des Schiffskörpers über die
Wasserlinie ist untunlich, da seitliche Schwankungen
bei dem oft sehr hohen Wellengange
schon durch die Ausbildung der Querschnittformen
so gut wie möglich vermieden werden
müssen. Die nicht sehr beträchtliche Höhe
der Innenräume zwingt zu leichter Behandlung
der Gliederungen. Kassettendecken, wie
sie sich aus der Holzverschalung der Deckrippen
ergeben würden, wirken bei der geringen
Raumhöhe schwer und drückend. Wandgliederungen
aber durch Pilaster, wie sie früher
im Schwange waren, stehen im Widerspruch
zu den kurvierten Flächen, nicht minder die
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