Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 16. Band.1907
Seite: 200
(PDF, 139 MB)
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H. E. VON BERLEPSCH-VALENDÄS: EIN NEUER BODENSEEDAMPFER

VERBINDUNGSSTÜCK DER TRÄGER UND LÄNGSRIPPE

Ummantelung der Eisenstützen unter der
Längsrippe, die sich mitten unter der leicht
gewölbten Decke hinzieht, und deren Ausbildung
als Säulen irgend welcher Ordnung.
Mögen dergleichen akademische Kunststücke
auch noch immer bei manchen der mehr
pomphaften als schönen Ausstattungen mächtiger
Hochseedampfer in Erscheinung treten,
richtig sind sie deswegen dennoch nicht, ebensowenig
wie die Abwandelung jener Stilspeisekarten
, die man bei einer Wanderung durch
die Gesellschaftsräume der Ozeanriesen zu
kosten bekommt. Sachlichkeit tut da genau
so not wie beim Hausbau, der, soll er zweckdienlich
sein, auch weit mehr Ausbildung von
innen heraus verlangt als überflüssige Spielerei
mit allerhand Zierwerk, das nur zu oft
dazu dient, die vorhandenen Schwächen zu
vertuschen.

Bisher wiesen die Bodensee-Dampfer entweder
einen Außenanstrich auf, in dem die
Landesfarben des staatlichen Eigentümers zutage
traten, oder er war — speziell bei den
Schweizer Dampfern — wie bei Kriegsfahrzeugen
, so gehalten, daß die Erscheinung
möglichst unscheinbar wurde: grau, tonlos.
Dafür lag nun wirklich kein zwingender Grund
vor, denn Verkehrsfahrzeuge, die während
vieler Monate des Jahres der Hauptsache
nach zur Beförderung von Vergnügungsreisenden
dienen, brauchen doch nicht schwimmenden
Festungen zu gleichen. So fiel denn
das bisher übliche, mehr als schlichte Gewand
und machte einer Tonung Platz, die
weithin sichtbar, der Hauptsache nach in
Weiß und Rot gehalten ist. Gleichzeitig fiel
ein Ueberbleibsel aus der Zeit, da man naturgemäßerweise
an hölzerne Schiffe auch hölzerne
Ornamente setzte. Bei einer durchweg
in starkem Eisenblech ausgeführten Außenverkleidung
verbietet sich das Anbringen
solcher Holzornamente ganz von selbst. So
blieben die bisher gebräuchlichen Bug- und
Heckverzierungen weg. An ihre Stelle traten

N MIT NOTBELEUCHTUNG « DECKENBELEUCHTUNG

aufgenietete band- oder stabartige Beläge, am
Bug in gewellter Form, so wie die alten
Schweizer Banner waren, am Heck (s. Abb.
S. 199) dagegen in senkrechter Gliederung mit
Querverbindungen. Innen wurde, wie schon
gesagt, alles Ueberflüssige an Ummantelungen
weggelassen, die eisernen Rippen in ihrer
konstruktiven Funktion gezeigt, die Verbindungsstellen
nicht maskiert, sondern durch
spangenartige, in Bronzeguß ausgeführte
Glieder betont und alles tektonisch Widersinnige
wie Pilaster, Konsolen u. s. w. weggelassen
. Die Verkleidung einer eisernen Wandkonstruktion
soll nichts enthalten, was völlig
andere Begriffe repräsentiert oder sich sogar
in Widerspruch stellt zum Wesen der Sache.
Soll die Fläche belebt werden, so sind die
Mittel hierzu durch Materialverschiedenheit
und Farbkontraste in reichlicher Menge geboten
; symbolische Architekturformen dagegen
erscheinen durchaus überflüssig. So bekamen
die Wände des Salons I. Klasse unten eine
glatte, nur durch Einlagearbeit unterbrochene
Vertäfelung in schön gezeichnetem, sehr hellem
Ahornholz, darüber Linoleumbelag in
Weiß-Lack. Die ganze Decke ist gleichfalls
in Weiß-Lack gehalten, der Fußboden dagegen
in einem satt-roten Linoleumbelag. Sämtliche
Bezüge der Sitzgelegenheiten sind ebenfalls
leuchtend rot. Während es früher Usus
war, ein ringsum laufendes Sopha ohne irgendwelche
Unterbrechung an den Wänden zu
plazieren, ist hier mit Rücksicht auf die nicht
allzuhohe Decke eine mehrfache Vertikalteilung
durch die hohen Sitzlehnen in Anwendung
gebracht.

Wesentlich viel reicher als dieser große Gesellschaftsraum
wurden die rechts und links
vom Treppenzugange liegenden kleineren Salons
für Damen und Raucher behandelt. Jener
bekam eine in kleinen Quadraten ausgeführte
Vertäfelung in dem wie Seidenmoiree schimmernden
amerikanischen Birkenholz und fein
grau gestimmte Möbelbezüge, hellgrünen

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