Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 16. Band.1907
Seite: 203
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_16_1907/0217
H. E. VON BERLEPSCH-VALENDÄS: EIN NEUER BODENSEEDAMPFER

Bodenbelag, creme-farbigen Plafond, dieser
dagegen eine Wandverkleidung in beinahe
schwarzer Wassereiche (Rahmenwerk) und
Platane (Füllungen) mit friesartigen Einlagen
in farbig kräftigen Hölzern, dunkelblau-graue
Möbelbezüge und ähnlich farbigen Fußboden.
Leider ließen sich gerade diese Räume infolge
der ungünstigen Lichtverhältnisse nicht photographisch
aufnehmen, ebensowenig das in ganz
einfachen Formen gehaltene, farbig abwechslungsreiche
Treppenhaus vom Mitteldeck zu
den Kompartimenten I. Klasse.

Schließlich hat auch die II. Klasse eine
andere Behandlung erfahren als bisher, wo
„des Malers Kunst" sich sonst in imitierten
Eichenholz-Masern und andern gleichwertigen
Dingen zeigte. Auch das ist verschwunden,
dafür die einfache Wirkung ungebrochener
Farbe eingesetzt. Daß mit sämtlichen Usancen
früherer Zeit radikal gebrochen wurde, war
leider nicht durchzusetzen. Auch beim „Rhein"
verunziert wie auf allen Schweizer Schiffen

ein unförmlicher Eiskasten das Deck, da keine
kühl gehaltenen Vorratsräume im Grundriß
des Schiffes vorgesehen sind. Und wenn man
das Tischgerät, dessen Beschaffung Sache des
Restaurationspächters ist, ansieht, so verfällt
hoffentlich niemand auf die Idee, das Vorhandensein
dieser ordinären Ausrüstungsgegenstände
mir in die Schuhe zu schieben.
Leider ist die Ansicht noch nicht durchgedrungen
, daß unter gleichem Kostenaufwand
auch etwas in der Erscheinung Besseres hätte
geboten werden können. Die meisten Menschen
glauben ja, daß, wenn die „gute Stube" oder
allenfalls noch ein Zimmer ihrer Wohnung
„stilecht" sei, zu wünschen sonst nichts übrig
bleibe. Ja — mit den guten Stuben allein
verdeckt man den Hemdärmel-Komment eben
nicht, ebensowenig als sich mit Gold und
Edelsteinen das ersetzen läßt, was den meisten
reich Gewordenen an wahrer, innerlicher Kultur
abgeht.

Berlepsch-Valendäs

NEUE GARTENBUCHER

Allmählich regt sich bei uns auch auf dem
Gebiete der lange und bitter vernachlässigten
und irregeleiteten Gartenkunst ein
frischeres Leben, und da ist es gewiß nicht
unwillkommen, Bundesgenossen für die Arbeit
aus dem Lande zu holen, dessen alte Gartenkultur
noch in so vielen wundervollen Beispielen
lebendig ist, und in dem man seit fast
zwei Jahrzehnten mit großer Liebe wieder nach
diesen alten Grundsätzen formt und pflanzt,
nach Grundregeln, die eigentlich nie ganz verloren
gegangen waren und ihr Recht in sich
selbst tragen. In der Gartenliteratur Englands
gehen heute, nachdem Blomfield und Sedding
als die ersten für die Wiedereinführung des
tektonischen Gartens in seine Rechte mit
warmen Worten gesprochen hatten, zwei Richtungen
nebeneinander her, von denen die eine,
durch die Architekten vertreten, Garten und
Haus als untrennbares Ganzes auffaßt und
den Baugedanken in streng architektonischen
Formen auch auf den Garten überträgt. Die
andere Richtung kommt hauptsächlich in den
Büchern von Gertrude Jekyll zum Ausdruck,
die heute wohl die einflußreichste Gartenschriftstellerin
Englands ist.

In diesen Büchern wird vor allem andern
von der Liebe zur Pflanze und von ihrer Pflege
gesprochen; in ihnen offenbart sich überall
die tüchtige Intelligenz und der sichere Geschmack
einer Frau, die in liebenswerter Art

mit dem einzelnen, dem Kleinen und Schmük-
kenden sich beschäftigt. Der Streit um die
Gartenform kümmert sie wenig; für den Hausgarten
setzt sie die regelmäßige Form meist
voraus, hat aber gelegentlich auch ihre kleinen,
allzu romantischen Anwandlungen. Aus einer
reichen gärtnerischen Erfahrungherausschreibt
sie in einem freundlichen Erzählerton darauf
los, wie ihr die Dinge grade in den Sinn kommen
; sie ist wenig klar im ganzen und wenig
beherrschend im Ausdruck, aber sie führt an
liebreicher Hand den Leser in ihr kleines Paradies
und läßt ihn nicht ohne Genuß und
Nutzen gehen. Eine der Schriften Gertrude
Jekylls erscheint jetzt unter dem Titel „Wald
und Garten" von Gertrud von Sanden in
leidlich gutes Deutsch übersetzt.*) Alle tüchtigen
und die ein wenig schwachen Seiten der
alten Gärtnerin lassen sich hier gut verfolgen.

Es ist ein Blumen- und Pflanzenbuch, in
dem die Verfasserin uns zu den verschiedenen
Jahreszeiten in ihr Besitztum Munstead Wood
in Surrey sehen läßt, dessen Anlage im heutigen
England vielfach als vorbildlich gilt. Sie führt
uns zu ihren Blumenlieblingen, zu ihren Gartenmauern
und Pergolen, zu den Rabatten und

*) Wald und Garten. Von Gertrude Jekyll.
Mit 74 Illustrationen nach Photographien der Verfasserin
. Uebersetzt von Gertrud von Sanden.
Verlag von Julius Baedeker, Leipzig. In Leinwand
gebunden 10 Mark.

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