Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 16. Band.1907
Seite: 246
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DAS KUNSTGEWERBE ALS AUSDRUCK

Von Dr. Hans Schmidkunz, Berlin-Halensee

Wer in freudiger Stimmung ist, fühlt sich
ganz natürlicherweise dazu gedrängt,
dieser Stimmung irgend einen Ausdruck zu
geben. Seine Mienen sprechen davon, seine
Reden kennzeichnen seine Stimmung. Er
singt oder trällert, jauchzt oder jubelt. Auch
seine Kleidung bekommt leicht etwas davon
ab; ja selbst seiner Wohnung läßt er durch
irgend eine Schmückung oder dergleichen
etwas davon zukommen. Stimmungen entgegengesetzter
Art drängen in ähnlicher,
wenn auch geringerer Weise zu einer äußeren
Markierung.

hans po elz ig-breslau « rathaus in löwenberg : treppenaufgang am turm

Es sind aber nicht bloß solche typische
Stimmungen, die dazu drängen. Vielmehr
sucht so gut wie alles, was unser Inneres in
Verstand und Wille, Phantasie und Gefühl
bewegt, irgend welche Auswege jener Art.

Soweit geschieht es bei jedem Menschen.
Dazu tritt aber noch ein anderes: Zu dem
Bedürfnis nach einer solchen Aussprache
kommt weiterhin das Bedürfnis, dieses Aussprechen
in einer möglichst vollkommenen
und speziell sinnlich anschaulichen Form
zu tun. Das Naturkind trällert seinen Jubel
ins Freie hinaus; eine weitere Entwicklung

drängt dazu, dieses
Trällern in eine höhere
Entwicklung zu erheben
, kurz aus der Natur
Kunst zu machen. So
ist die Kunst ein Ausdruck
unseres seelischen
Lebens, aber sie
ist nicht bloß das, sondern
sie ist mehr: Sie
ist ein Ausdruck in
höchst vollkommenen
Formen. Tatsächlich
hat seit jeher kein wahrer
Künstler anders geschaffen
, als auf Grund
dieses Drängens eines
jeden lebenden Wesens
nach einer Aussprache
und zugleich
auf Grund eines gesteigerten
menschlichen
Bedürfnisses, die Aussprache
zu einer eigenen
Welt zu gestalten.
Diese eigene Welt hat
nun ganz besonders das
Eigentümliche an sich,
daß der Inhalt eben jener
Aussprache schließlich
sozusagen gänzlich
aufgeht in der Art
und Weise, wie die
Aussprache zustande
kommt. Das alles sind
für den wahren Künstler
und für den einsichtigen
Beurteiler
künstlerischen Lebens
und Wirkens sozusagen

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