Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 16. Band.1907
Seite: 247
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-^4^> HANS SCHMIDKUNZ: DAS KUNSTGEWERBE ALS AUSDRUCK <ö5^

Selbstverständlichkeiten. Allein das Traurige
und die Kunst tief Schädigende ist, daß nicht
bald etwas so sehr übersehen worden ist, wie
gerade dieses innerste Wesen der Kunst: daß
sie nämlich ein Ausdruck ist, eine Formensprache
für das, was in unserem seelischen
Innern zu einer äußeren Gestaltung drängt.
Diese Einsicht ist in der hier gegebenen
bündigeren Weise geradezu eine Errungenschaft
der neuesten Zeit.

Am ehesten dürfte das Gesagte gewürdigt
werden für die Dichtkunst, schwieriger schon
für die Musik. Daß Musik kein bloßes
Formenspiel, aber auch keine bloße Darstellung
äußerer Vorgänge ist, darüber kann man
jetzt endlich einig sein, allerdings mit einem
Hinweggehen über den Protest derer, die es
nicht sehen wollen. Am schwierigsten scheint
das Gesagte für die bildenden
Künste zur Geltung
zu kommen. Und
wenn auch unter ihnen
die Malerei und die Plastik
noch am ehesten
einsehen lassen, welche
Tiefen von religiösem
oder weltlichem Fühlen
in ihren Werken zur
Aussprache drängen, so
scheint doch für die Architektur
und für das
Kunstgewerbe unsere
Darlegung unbrauchbar
zu sein. Nun ist aber
gerade die Architektur
die Kunst, die ganz eigentlich
als Trägerin der
sogenannten Stile gilt;
und daß ein Baustil eine
Formensprache ist, in
der sich das seelische
Leben einer Zeit, eines
Landes, eines Volkes usw.
ausdrückt, konnte doch
schon seit längerem eingesehen
werden und ist
von bedeutenden Kunsthistorikern
, wie besonders
von Schnaase und
Springer, auch immer erkannt
und verkündet worden
. Doch erst in jüngster
Zeit wurde ohne Umschweife
betont, daß auch
abgesehen vom Stil im
engeren Sinn ein Bauwerk
im Ganzen und in
Einzelheiten etwas erzählen
und zwar schön erzählen will: von
seiner Bestimmung, von der Art und Weise
der Persönlichkeiten, die es bauen oder an
seinem Bau ein Interesse haben usw. Auch
Architektur ist Ausdruck; wir sehen es nicht
nur an den weiten Hallen gotischer Dome
und den zerknitterten Schnörkeln des Rokoko,
sondern auch an jeder Kinderfigur, die uns
an dem Portal eines Schulhauses als gegenwärtige
Architektur begrüßt.

Nun das Kunstgewerbe und die übrigen
Arten von bildenden Künsten ! Erinnern wir
uns des eingangs Gesagten, so liegt hier das
Verständnis, auf das es uns ankommt, eigentlich
am allernächsten. Kaum eine von sämtlichen
Künsten steht dem täglichen Leben so
nahe wie die mannigfachen Arten des Kunstgewerbes
, und infolgedessen ist gerade in

H. POELZIG-BRESLAU RATHAUS IN LOWENBERG : TREPPENHAUS (vgl. S. 244)

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