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ELSE OPPLER-LEGBAND-BERLIN «TÄSCHCHEN AUS VERSCHIEDENFARBIGEM VELVET MIT FARBIGEN PERLEN BESTICKT
NEUE PERLEN-ARBEITEN
Die billige, kleine Glasperle ist uns von
unserer Väter Zeiten her noch in übler
Erinnerung. Wir sehen sie, diese Kissen und
Pantoffeln, mit denen die Hausfrau ihren
Kunstfleiß treu bewies. Mit geduldigem Sinn
nähte sie Perlchen an Perlchen auf den Kanevas
, dessen Struktur eine viereckige Physiognomie
der Ornamente, Pflanzen und Menschen
vorschrieb. Der breitesten Allgemeinheit war
dadurch ein sicherer Anhalt geboten, und darum
wurde dieses System unbedingt geliebt. Diese
Hausfrau stickte etwa einen Spruch oder ein
Muster oder wagte sich sogar an eine Szene.
Feinfühlig aber vermied sie, etwa die durch
die Struktur gebotene Eckigkeit so zu betonen,
daß vielleicht eine Eigenart daraus wurde.
Vielleicht ein Stil. Dekorativ; primitiv. Beileibe
nicht!
Frau Else Oppler-
Legband hat diese
alte, vergessene Technik
wieder in den Gesichtskreis
unserer
modernen Betrachtung
gerückt. Sie hat
versucht, dem Alten
eine neue Prägung zu
geben.
Zweifellos spielen
hier Zeiteinflüsse mit.
Die Biedermeier-Erinnerung
, die schon
bis zum Ueberdruß
ausgeschlachtet wird,
die der Phantasie so
vieler, kleiner Talente
E. OPPLER-LEGBAND-BERLIN «MIEDER EINES BALLKLEIDES
: WEISZER ATLAS M. FARBIGER PERLENSTICKEREI
zu einer wenig erfreulichen Munterkeit verhilft,
indem sie in einer Zeit einer fruchtbaren, großen
und verheißungsvollen Eigenentwicklung eine
niedliche Intimität vortäuscht, hat auch hier
befruchtend eingewirkt. Sie hat endlich auch
die Industrie aufgerüttelt. Und plötzlich spazieren
unsere Damen mit Taschen aus Glasperlen
einher, auf Kanevas aufgenäht. Und selbst
die Muster sind aus jener Zeit entlehnt.
Frau Oppler will in zwei Punkten auf
diesem Gebiet richtunggebend wirken. Sie
will einmal diese Technik auf ein künstlerisches
Niveau erheben, und sie trägt der modernen
Entwicklung insofern Rechnung, daß sie die
tüftelige mühsame Handnäherei entfernt und
an deren StellediemaschinelleHerstellungsetzt.
Was schon existierte, das waren die Perlschnüre
, die in allen
erdenklichen Farben
zu haben sind. Diese
Perlenschnüre, die in
beliebiger Länge abgeschnitten
werden,
ohne daß die Perlen
abrollen, werden auf
mechanischem Wege
durch die Maschine
aufgenäht. Die Maschine
sticht also nicht
durch jede einzelne
Glasperle und reiht
sie eine nach der
andern auf, sondern
sie näht die farbige
Schnur mit kleinen,
weißen Stichen, die
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