http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_16_1907/0288
ARCH. HANS OFNER-WIEN
ATELIER DES KÜNSTLERS
Neigungen schließen, als er einen Einblick in
seine eigene Behausung gestattet. Da haben
wir das Zusammenspiel einer kleinen Wohnung
, der eines Junggesellen, wodurch das
Fehlen der Wirtschaftsräume erklärt wird. Man
wollte denn als einen solchen das sogenannte
Frühstückszimmer betrachten, einen gemütlichen
Unterschlupf für alle Gelegenheiten,
dessen sichere Geborgenheit bloß durch die
scheinbar unsichere Kugelbasis der Taburetts
gestört wird. In dem Atelier sieht es in Wirklichkeit
nicht so parademäßig weiträumig aus.
Da häufen und drängen sich auf Tischen und
in Glaskästen die Gegenstände, an deren Erfindung
und Herstellung Ofner unermüdlich
arbeitet. In der Kunstgewerbeschule hat er
außer dem Unterricht Hoffmanns und dem in
den Klassen der Nebenfächer nur bei Adele
von Stark, in der Versuchswerkstatt für
Emailtechnik, eine Vorbildung genossen. Das
fertige Können brachte erst die Praxis, die zu
rührigem Umtun bei den verschiedenen Handwerkern
zwang. Bis die großen Aufträge
kommen, die sich an den Architekten wenden,
wird die Vertrautheit mit dem Kleinwesen
einer Wohnung und dessen Herstellung auch
erworben sein. Die Schulung des Auges, das
Farben wählt und Umrisse bestimmt, tut es
nicht allein, die Hand muß willfährig sein,
weil nur dann die Ausführbarkeit der Entwürfe
ermessen werden kann. Die Kenntnis mancher
Rohstoffe ist bei Tischlern und inTextilfabriken
zu erwerben. Ferner wird gebosselt und gehämmert
, um die Treibarbeit zu lernen und
durch Narben das matte Metall zu wechselnder
Wirkung zu bringen. Besonders viele Versuche
, die durch kein Mißlingen entmutigen
durften, galten dem spröden Email, auf dem
blanke Linsen („Flinserln" heißen sie beim
Wiener) eingeschmolzen, einen besonders hübschen
Effekt ergeben. Die anmutigsten Leistungen
sind wohl die Gürtel, deren Schließen,
entweder nur durch Stege oder durch Zellenemail
geschmückt, in der Farbe jedesmal genau
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