http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_16_1907/0294
arch. hans ofner-wien
wäscheschrank und ankleidespiegel eines schlafzimmers (vgl. Seite 281)
schwer. So erzählt unser Heim leicht von
mehreren Generationen: etwa der Tisch von
den Enkeln, die Glasgarnitur von den Eltern,
der Edelschmuck von den Großeltern, und
selbst das jüngst Gekaufte spricht nicht immer
von der jüngsten Zeit. Auch im Kunstgewerbe
können die Jungen die Alten und
die Alten die wahrhaft Jungen sein.
Schließlich sind es geradezu politische
Kämpfe, die im Kunstgewerbe weitergekämpft
werden. Vom Nationalen garnichtzu sprechen ;
aber auch die sozialen Schichtungen werden
zu Form- und Stoffschichten der Kunst, ohne
sie freilich allein zu bestimmen. Eine Gesellschaft
, die sich, wie die spätmittelalterliche
, gern beisammenhält und von vorn
herein sich sozusagen öffentlich fühlt, schafft
auch kunstgewerblich anders als eine, die
wie die unsere sich gern zerspaltet und in
aparte Individuen auflöst. Eine sachlich interessierte
spricht auch künstlerisch anders
als eine persönlich interessierte und führt auch
am ehesten zu den Formen, die nichts so sehr
wie den Ausdruck einer Konsistenz vermissen
lassen und so am Ende die künstlerische
Formensprache eher um Sprachstörungen als
um neue Ausdrucksmittel bereichern.
Hans Schmidkunz
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